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Probleme des Freestyle 2013

19.06.2013, 12:15 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Ich habe mir die aktuellen Probleme des Freestyle in 2013 angeschaut und untersucht. Dazu habe ich nach den Ursachen gesucht, die die Probleme hervorrufen und biete dazu Lösungen an:

(Der Vortrag wurde am Turnfest gehalten, allerdings nicht komplett. Hier sind die aufbereiteten Folien mit zusätzlichen Kommentaren)

Märchen und Mythen im Techniktraining und den Skill Levels

29.03.2012, 00:07 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Bevor ich loslege erst mal kurz was zu meinem letzten Artikel (Freestyle in Deutschland). Ich wollte damit niemanden Beleidigen, wollte aber auch nicht durch lauter freundliche Umschreibungen an meiner eigentlichen Aussage vorbei reden. Manche Dinge sind auch ganz bewusst provokativ und frech gehalten. Wichtig ist mir aber zu sagen das es nicht mein Ziel ist Einzelne oder ganze Gruppen zu beleidigen, es geht mir um die gute Sache und ich freue mich auch über jeden Kommentar.

Die Aufklärtour geht also weiter. Wie ich bereits 2010 angekündigt habe "Was Scheisse ist, wird auch so benannt und nicht mehr irgendwie anders schön geredet" hatte ich im Sommer dargelegt, dass Deutschland langweiligen und laschen Freestyle produziert. Von meinem Professor stammt der schöne Satz "Wissenschaft ist die Demythologisierung von Alltagstheorien". Projiziert auf meine Arbeit bedeutet dass, die Argumentationsgrundlage derer, die keine Ahnung haben - aber doch gerne mitreden wollen - zu destabilisieren, um somit qualitativ bessere Entwicklungen für den Einradsport zu erwirken.

Meine Beziehung zum Techniktraining ist nicht ganz unwichtig, wenn ich mich über Techniktraining äußere, deswegen hier kurz angerissen. Begonnen hat es 2005, als ich angefangen habe ein Einradgruppe zu trainieren. Literatur zum Training gab es keine, eine Ausbildung auch nicht. Hilfestellung gab es aus dem eigenen Verein, aber ich hatte auch Kontakt zu anderen Trainer, sehr vieles habe ich zum Beispiel vom Peter Hahn gelernt. 2006 als der BDR die Skill Levels als Wettkampfqualifikation eineführt hat, haben manche Vereine ihr Training danach ausgerichtet. Ich habe das Training nicht nach den Skill Levels ausgerichtet, da ich erkannt habe, dass Einradtricks Beziehungen zu anderen Tricks aufweisen und die Skill Levels das nicht anerkennen, deswegen ist aber das Trixionary entstanden. Ich habe auch damals schon die Dinge die mir fürs Training empfohlen wurden kritisch hinterfragt und bei logischer Betrachtung herausgefunden "das kann nicht funktionieren", ich fand Gemeinsamkeiten zwischen Tricks heraus. Alles in allem formte sich das Bild der verschiedenen Tricks in ein logisch konsistentes Bild, es fühlte sich gut an, ich konnte es nur niemand anderem beschreiben. 2008 begann ich mit meinem Studium Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Informatik an der TU-Darmstadt und was ich dort lernte versuchte ich irgendwo im Einradfahren einzuordnen. Was ich zuvor für die Tricks im Einradfahren entdeckte, deckte sich mit den Dingen, die ich im Studium lernte. Ich erhielt Vokabular, um das was ich bereits wusste nun auch entsprechend zu benennen und weiterzugeben. Nicht zuletzt in einer Seminararbeit über den Spin. Das meiste von dem, was also nachfolgend kommt habe ich bereits vor meinem Studium herausgefunden und ab dann ergänzt und verifiziert.

In letzter Zeit werde ich öfter gefragt: "gossi, kannst du nichtmal genau sagen, warum die Skill Levels von 1998 nicht gut sind und das mal festmachen?". Ja, ich kann, denn die Probleme sind gut versteckt und unsichtbar. Es gibt zwar einige Dokumente die, wenn man sie zusammenführt, die Probleme sehr deutlich machen, aber man benötigt auch ein sehr fundiertes Wissen, wie Lernen funktioniert um es im richtigen Kontext zu verstehen.

Um die Frage zu beantworten, muss man sich zunächst mal das Techniktraining anschauen und die Gefahrenstellen aufdecken. Dann auf die Skill Levels beziehen und zum Abschluss noch die Situation in Deutschland, mit angerissenen Erklärungsversuche, wo diese Probleme und Gefahren entstehen und eine mögliche Lösung für die Zukunft darstellen.

Das hier vorgestellte basiert auf meinen Erfahrungen und meiner Recherche. Da die Informationen übers Einradfahren aber immer sehr verschachtelt oder garnicht auffindbar sind, können hier durchaus Fehler enthalten sein. Bitte meldet mir das, damit ich hier nachkorrigieren kann.

Techniktraining im Einradfahren

Wie eingangs erwähnt, bilden Beziehungen, die ein Trick aufweist, die Grundlage für ein methodisch orientiertes Techniktraining. Diese Beziehungen sind im Trixionary verarbeitet und am Beispiel von 1ft Wheel Walk lassen sich die Beziehungen ganz gut erklären. Unter der Beschreibung befinden sie sich: Variations, Davor Lernen und Danach Lernen. Bei Variationen werden zum Ausgangstrick einige der Bewegungsaktionen leicht geändert, der Ursprungstrick ist in der Variation aber noch erkennbar. Bewegungsaktionen sind kleinste Bewegungen (z.B. in einem Gelenk) etwa Fußspitze anheben. Ein Bewegung bzw. ein Trick besteht also aus vielen solcher Bewegungsaktionen. Bei den Beziehungen Davor und Danach lernen korrelieren die Bewegungsmuster dieser Tricks mit dem Ursprungstrick sehr stark, z.B. dass es eine gemeinsame Menge an Bewegungsaktionen gibt, die Bewegungsaktionen aufeinander aufbauend sind oder dass der Übergang zwischen den Tricks sich als sehr günstig für das Bewegungslernen herausgestellt hat. Im Trixionary Graph sind die Beziehungen Davor und Danach Lernen durch die dünnen Linien visualisiert, wer sich den Vollbildmodus gönnt, sieht das große Beziehungs-Geflecht von Tricks.

Technikleitbild

Aus den Beziehungen und biomechanischen Gegebenheiten lässt sich ein Technikleitbild ableiten. Daraus lassen sich methodische Übungsreihen gewinnen und die Bewegungsaktionen herausziehen, die letztlich auch die Schrauben darstellen an denen der Trainer drehen kann, um die Bewegung zu justieren. Zu bedauern ist, dass Technikleitbilder im Moment nur in den Köpfen der Trainer existieren [Memo an mich: Auftrag erkannt!].

Natürlich muss man Technikleitbilder auch kritisch betrachten. Zum Beispiel gibt es im Turnen sehr exakte Vorgaben, anhand derer auch die Bewertung im Wettkampf stattfindet. Diese Vorgaben sind allerdings sehr starr im Vergleich mit z.B. Tricking. Bei beiden Sportarten werden die gleichen Elemente geturnt, die Ausführung ist jedoch gänzlich unterschiedlich. Hier kann man Einradfahren eher mit dem Tricking als mit dem Turnen vergleichen und mir persönlich gefällt diese Offenheit, ich hoffe sie bleibt auch. Wenn es jedoch zum Technikleitbild kommt, sollten zumindest die Bewegungsaktionen so gefahren werden, damit keine Limitierungen (siehe Bewegungsfehler unten) auftreten.

Warum nun die Beziehungen?

Wie oben erwähnt überschneiden sich die Bewegungsaktionen zwischen Tricks die in Beziehung zueinander stehen. Wenn also jemand Rodeo trainiert, übt er automatisch auch ein bisschen für Drag Seat mit. Wenn jemand Standwalk trainiert, übt er automatisch ein bisschen Standgliding mit.

Bewegungsfehler und der Butterfly Effect

Weichen Bewegungen vom Technikleitbild ab, spricht man von einem Bewegungsfehler. Das Problem an Bewegungsfehlern ist, sie sind meistens versteckt: Der Standwalk klappt, doch kann sich hier ein gravierender Fehler verstecken und doch fällt er nicht auf. Schuld daran sind die Trickbeziehungen (Das Beispiel Standwalk ist weiter unten genauer erklärt). Ein Fehler potenziert sich in den Trickbeziehungen mit (= Butterfly Effect). Auf Standwalk folgt Standgliding, darauf folgt Arrabesque und schließlich Biellmann. Ein Fehler im Standwalk betrifft die nachfolgenden Tricks ebenso. Bewegungsfehler limitieren das Trickrepertoire eines Einradfahrers. Hat sich ein Bewegungsfehler eingeschlichen muss dieser umgelernt werden, um das weitere Limitieren zu verhindern.

Umlernen

Um das Umlernen zu beschreiben, muss man zunächst das Lernen von Bewegungen kennen und dieser Prozess spielt sich im Gehirn ab. Dort ist ein riesen großer Haufen Neuronen und zwischen diesen Neuronen gibt es unterschiedlich starke Verbindungen. Statt Neuronen und Verbindungen möchte ich aber hier von Häusern und Wegen sprechen. Beim Lernen ist es so, dass ein Postbote die Wege zwischen den Häusern abläuft und die Post verteilt. In der Post stehen die neuen gelernten Informationen. Zu Anfang läuft der Postbote noch auf Feld und Wiese, aber irgendwann ergibt sich daraus ein Trampelpfad, wenn er denn den Weg öfter läuft. Und weil der Postbote den Weg immer öfter läuft, beschwert er sich bei der Stadtverwaltung und die baut im einen gepflasterten Gehweg und der Postbote kann sogar ein Fahrrad verwenden, denn er muss immer öfter die Strecke abfahren, weil er so viel Post zustellen muss. Eines Tages langt auch das Fahrrad nicht mehr, er bekommt ein Postauto und eine Straße gebaut, weil die Post immer mehr wird. Aber auch das langt irgendwann nicht mehr und es wird eine Autobahn gebaut, auf der mehrere Postautos die Post zustellen. So ist es auch im Gehirn, um ein Neuron herum gibt es viele Wege, aber je öfter das Neuron beansprucht wird (weil eine Bewegung trainiert wird), desto größer kristallisiert sich ein Weg heraus, die anderen sterben ab. Ist das Neuron von Autobahnen umgeben, spricht man auch davon, dass jemand eine Bewegung automatisiert hat.

Das Problem am Umlernen ist, dass die Autobahn kaputt gemacht werden muss, weil sie 10cm nebendran neu aufgebaut werden muss. Während der Abrissphase der Autobahn, muss in dieser Zeit muss der Verkehr umgeleitet werden und auch beim Neubau besteht die Gefahr, die neue Autobahn auf die Rillen der alten Autobahn zu bauen, das Umlernen benötigt also Zeit. Daraus ergibt sich eine Dauer um einen Trick zu lernen, mit und ohne Umlernen:

Trick Lernen #1: [.........T1........]
Trick Lernen #2: [.....T1....][........T2........][.........T3.........]

Es ist zwar nicht so schön dargestellt, aber in den eckigen Klammern eingefasst, soll das jedesmal einen Zeitbalken darstellen. Im ersten Fall wird die Zeit für das normale Lernen beschrieben, im zweiten Fall, die Zeit mit Umlernen. T1 bedeutet jeweils das erste Mal einen Trick lernen, T2 die Zeit um eine Bewegung wieder kaputt zu machen und T3 um die Bewegung erneut zu lernen. Mit Umlernen dauert es länger bis der Trick beherrscht wird, mitunter doppelt so lang oder noch länger.

Beispiel: Stand up Tricks

Genug Theorie, etwas praktisches am Beispiel von Stand up Tricks. Mit Standwalk macht jeder seine ersten Erfahrung in Stand up Tricks und gewöhnt sich an die Höhe. Der erste Übergang ist von (1ft) Wheel-Walk ins Standwalk hoch. Dabei kann auch der größte Stand up Fehler entstehen: Die Hand gehört bei Stand up Tricks NICHT an den Sattel!* Warum? Stand up Tricks werden Fuß gesteuert. Der Fuß sitzt hinter den Fußballen auf dem Gabelrücken und das Einrad kann durch absenken der Ferse nach vorne und durch anheben der Ferse nach hinten verschoben werden (auf der Sagittalebene). Häufiger Fehler ist hier die Hand am Sattel, die genau diesen Lernprozess umgeht und aktiv verhindert. Das Problem hierfür findet sich in den Trick-Beziehungen: Aus dem Standwalk entwickelt sich das Standgliding und hieraus lassen sich Catch-Foot, Arrabesque, Biellmann, Standgliding Circle, Y-Character Balance und sämtliche Kombinationen aus Standgliding twirls und Pirouetten. Alle letztgenannten Tricks erfordern die Kontrolle des Einrads mittels Fuß. So mag Arrabesque vlt. noch mit der Hand am Sattel funktionieren, dann rotiert jedoch meistens die Hüfte nach außen auf (womit es schon keine Arrabesque mehr ist) und auch Rumpf-Standbein-Winkel sind limitiert. Catch-Foot geht noch alleine, aber gezogen nicht mehr. Dann ist eine Hand am Partner die andere am Bein und die Kontrolle liegt beim Fuß. Lernt man Stand up Tricks nicht mit Fußkontrolle, limitiert man hier sein Trickrepertoire indem man die späteren Tricks von vorneherein ausschließt. Da man die Fußkontrolle mit seinem ersten Stand up Trick, dem Standwalk, lernt liegt die Ursache für den Fehler dort begraben.

Also unbedingt die Hand am Sattel vermeiden und aktiv die Fußsteuerung trainieren. IMMER!

* Ausnahme bilden Standcoasting 1ft ext Tricks und einige Standside Variationen.

Ursachen

Mögliche Ursachen für ein limitierendes Lernen:

Der Fast-Food Effekt

Ich weiß nicht, ob es dafür einen Fachbegriff gibt, deshalb habe ich mir den Begriff "Fast Food Effekt" ausgedacht, der - wie ich finde - sehr gut passt. Beim Fast Food ist das Essen in der Eile fertig und man umgeht das aufwendige Kochen. Wie der Film Supersize Me beweist, kann das üble Folgen nehmen. Am Beispiel Stand Up Tricks von oben ist das Hochgehen mit Hand die Fast Food Version. Der Trick gelingt vielleicht schneller aber man umgeht dabei die Fußsteuerung, die Folgen habe ich oben genannt.

Typisch ist dieses Verhalten auch im Krafttraining zu beobachten wodurch es sich auch leichter beschreiben lässt, Beispiel Bankdrücken: Man liegt rücklings auf der Bank und drückt eine Langhantelstange vor der Brust nach oben. Besonders anstrengend werden die letzten Wiederholungen. Und da liegt es in der Natur des Menschen den Weg des geringeren Widerstandes zu wählen. Man weicht also beim Bankdrücken in eine andere Bewegung aus, umgeht damit aber auch den Trainingseffekt, die ausweichenden Bewegungen werden sinnlos. Beim Spin ist es sehr ähnlich, die großen Rückenmuskeln stabilisieren den Spin und sind auch während des Spins sehr aktiv. Wer über eine gering ausgeprägte Rückenmuskulatur verfügt und einen Spin unter korrekter Anleitung fährt wird das in der Form eines Muskelkaters spüren. Die Ausweichbewegung beim Spin ist eine Verwringung im Oberkörper, sichtbar daran, dass die Schultern nicht mehr über der Hüfte sitzen. Der Fahrer fährt zwar einen Spin, der sich aber doppelt negativ auf die Präsentation auswirkt. Die Streckerkette im Rücken wird durch die Verwringung aufgehoben und die Körperspannung lässt nach, dadurch wirkt die Bewegung lasch. Zweitens ist die vordere Schulter innenrotiert und als Folge der fehlenden Körperspannung hängt sie nach vorne runter. Dadurch büßt man die eigene Präsentationsfläche ein. Ungewiss ist, ob in der verwringten Oberkörperposition High-Speed Spins möglich sind; ob dort die auftretenden Kräfte kompensiert werden können, denn die großen Rückenmuskeln sind "ausgeschaltet" bzw. arbeiten nur einseitig.

Um dem Fast-Food Effekt zu entgehen verlangt das Techniktraining den Fahrern viel Disziplin ab.

Mangelhaftes Technikleitbild und schlecht oder garnicht ausgebildete Trainer

Wie oben bereits erwähnt, gibt es keine Technikleitbilder. Sie existieren bestenfalls in den Köpfen der Trainer. Dort liegt noch großes Potential verborgen. Die Einflussfaktoren sind oben beschrieben, nur wenn die darauf beruhenden Analyse für einen Trick korrekt durchgeführt wurde, kann das Technikleitbild funktionieren. Die Trainer sind hier in der Verantwortung.

Lernkurve

Beobachten konnte ich bisher folgende Lernkurven, die sich als mathematische Funktionen beschreiben lassen:

Ein logarithmischer Kurvenverlauf (magenta), ein linearer Verlauf (ocker) und ein exponentieller Verlauf (blau). Die Lernkurven im einzelnen:

Magenta:

Fahrer tappten sehr oft in die Fast-Foods Falle. Die ersten Tricks ließen sich noch lernen, die Folgetricks wurden dadurch aber verbaut. Neue Tricks benötigen Umlernen, zu viel Umlernen, das Tricklernen stagniert nahezu und nähert sich einem Plateau an, danach droht der Drop-Out. Andere Faktoren habe ich dabei nicht beachtet.

Ocker:

Teilweise werden hier Tricks richtig gelernt teilweise schnappt hier aber die Fast-Food Falle zu. Tendenziell besteht hier noch die Möglichkei auf ein sauberes Tricklernen umzuschwenken, ist aber mit ein bisschen Aufwand verbunden.

Blau:

Hier hält sich die Trickexplosion zurück, da zuerst sehr sauber die Grundtechniken gelernt werden und ein gesundes Basis Trickrepertoire mit vielen verschiedenen Bewegungsmustern angeeignet wird.

Der Graph mag suggerieren, dass man sich zu Anfang für eine Kurve entscheidet, dem ist nicht so. Im Techniktraining sollte die blaue Kurve die Vorgabe sein, die Übergänge sind aber fließend und ein Wandel ist sogar wahrscheinlich. Es erfordert eine sehr hohe Disziplin, die blaue Kurve einzuhalten, ein Trainer kann hier mit dem nötigen Nachdruck helfen. Der Fast-Food Effekt ist sehr verlockend "Die dunkle Seite der Macht" und es ist einfacher von der blauen zur magentafarbenen Lernkurve abzugleiten, obgleich der Weg zurück der schwierigere ist.

Zwischenfazit Techniktraining

Ich habe aufgezeigt, dass man sich mit falschem Technikttraining leicht sein zukünftiges Training verbauen kann. Ein Trick klappt erst dann wirklich, wenn er auch für zukünftige, darauf aufbauende Tricks die Basis legt. Das geht auf ein korrektes Technikleitbild zurück in das sowohl Trickbeziehungen wie auch biomechanische Parameter eingreifen. Hier besteht aber weltweit Nachholbedarf, es darf nur keine LariFari Einstellung damit aufkommen.

Skill Levels

Zu den Levels muss man sich erst mal fragen, wofür sind sie gut? Was sagt der einzelne Level aus und wie gliedern sich die einzelnen Tricks in die einzelnen Level ein und in den Gesamtkontext? Die Skill Levels geben also die Aktionen vor, hinter denen ein bestimmter Effekt steht. Und die geben die Levels selbst von sich:

They are intended to encourage unicyclists to progress at an even pace over a wide variety of unicycling skills. These levels are not connected to the competition rules, other than in descriptions of how the skills are to be performed. Skill levels are useful for helping riders determine a sequence of skills to learn, and to give them ideas for things to try.

Von iufinc.org/unicycling/levels/98

Übersetzung mit Highlights; die Skill Levels sind gedacht um:

Sie sollen Einradfahrer zu ermutigen sich in einem gleichmäßigen Tempo über eine Vielzahl von Einradübungen weiter zu entwickeln. Die Skill Level stehen in keiner Verbindung zu den Wettbewerbsregeln, außer in den Beschreibungen, wie ein Trick ausgeführt werden soll. Skill Level sind nützlich, um Fahrern zu helfen eine Abfolge von Skills zu lernen, und um ihnen Ideen zu geben Dinge aus zu probieren.

Das sind Auszüge aus den Levels von 1998. Ein ehrenwertes Ziel, die das System wie die weitere Analyse zeigt, nichtmal selbst komplett einhalten kann.

Skill Levels für den Straßenverkehr

Eine sehr interessante Theorie über die Skill Levels ist die Vorbereitung auf den Straßenverkehr. Das betrifft die Levels 1-3. Theorie deshalb, da sie mir bisher keiner offiziell bestätigen konnte. Bedenkt man aber mit ein, dass im TCUC (dem (damals) größten? amerikanischen Verein) bis vor einigen Jahren Fahrer, die noch keinen Level 5 hatten, mit Helm fahren mussten und soweit es mir zugetragen wurden viele derjenigen, die an der Entwicklung der Skill Levels beteiligt waren, aus dem TCUC stammen, scheint es sehr wahrscheinlich. Es könnte aber auch Versicherungstechnische Gründe haben, ich weiß es nicht. Eine genauere Inspektion der Levels gibt Hinweise, die den Umstand wahrscheinlicher wirken lassen. Genauer bleiben nur Level 2 und 3 übrig.

Zehn Meter fahren zwischen zwei parallelen Linien im Abstand von 30 cm

Level 2

Das ist der erste Hinweis, wenn ich auch erst vor wenigen Tagen auf den möglichen Sinn gekommen bin. Auf den ersten Blick erscheint diese Skill Vorgabe vollkommen lächerlich - und für sich betrachtet ist sie das auch: Das normale Fahren wird bereits in Level 1 abgefragt und gilt damit als sicher, warum also nun dieser Abstand? Aus der Testroutine wird man auch nicht schlauer, denn die 30cm werden auf dem Boden abgeklebt, der Fahrer muss sich also mit seinem Blick nach unten orientieren, worauf dem Kopf die Körperhaltung folgt - ob es wirklich im Sinn der Skill Level Entwickler lag, hier einen Krummrücken bzw. den Blick nach unten zu verlangen. Bedenkt man, dass zu der Zeit hauptsächlich Freestyle gefahren wurde und in dieser Disziplin der Blick gen geradeaus, vlt. ein wenig hoch richtung Tribüne geht, scheidet diese Begründung doch eher aus. Warum also doch der 30cm Abstand? Da kam mir vor einigen Tagen der Gedanke, dass dieser Abstand womöglich zwei Parkende Autos darstellen soll. Fährt man auf der Straße und es kommt ein Auto gefahren, so kann man nach Level 2 also in eine dieser Parklücken "flüchten". Nur warum dann 10 meter, welche zwei Autos und welche Straße ist so breit? Das macht hinten und vorne keinen Sinn. Sollten die 30cm tatsächlich zwei parkende Autos simulieren, dann ist auch die Testroutine falsch. Viel realitätsnäher wären dann doch eher zwei Brusthohe Kästen, die im Abstand von 30 cm stehen, zwischen denen man hindurch fahren soll. Und warum 30cm? Die Parkdichte muss schon extrem hoch sein, dass ein Auto vorne und hinten einen Abstand von jeweils 30cm hält.

Die Auswahl dieses Skill ist also bei jedweder Betrachter äußerst dämlich, könnte aber ein Indiz für den Einsatz im Straßenverkehr sein.

einen 15 cm hohen Absatz hinunterfahren

Level 2

Nun, der Skill ist einfach. Er simuliert die Fahrt einen Bordstein herunter. Damals war das vlt. sogar noch "hoch", heute droppen Trialfahrer gute 2m, auch mehr.

90°-Drehung nach links/rechts innerhalb eines Kreises von einem Meter Durchmesser

Level 2

Das mag möglicherweise darauf deuten, dass man auf kleiner Fläche in die 30cm Parklücke einbiegen kann. Nur warum ist es dann nicht an die Fahrt mit den 30cm gebunden? Schließlich ist es eine aufeinanderfolgende Bewegung und keine entkoppelte. Und wieder einmal hat die Testroutine versagt.

180°-Drehung nach links innerhalb eines Kreises von einem Meter Durchmesser

Level 3

Der Trick erschließt sich mir nicht ganz. Ein U-Turn ist sicherlich erstrebenswert und mag auf einen Einsatz auf der Straße hindeuten. Fährt man auf ein herankommendes Auto zu, ist man in der Lage mittels U-Turn umzudrehen. Aber warum im Kreis von einem Meter Durchmesser? Das ist wieder idiotisch und die Testroutine macht es nur noch schlimmer. Wieder wird der Blick auf den Boden verlangt um die Abklebung nicht zu verfehlen, dadurch krümmt sich die Körperhaltung, das Massenträgheitsmoment wird erhöht und die Drehung gelingt nicht mit dem gewünschten Effekt.
Vielleicht soll *hust* der Trick auch auf den Spin vorbereiten? Das wird später geklärt.

ein Hindernis von 10 x 10 cm überfahren oder überspringen

Level 3

Für die meisten deutschen ist das der verhassteste Trick in den Skill Levels. Und doch passt er in die Einordnung als Vorbereitung für den Straßenverkehr und simuliert den Bordstein bzw. das Hinaufkommen.

Die Skill Level Geschichte

Anna (11) und ihre Freundinnen Sarah (10) und Nicole (11) fahren vor dem Haus von Anna auf der Straße Einrad. Die Straße liegt in einem Verkehrsberuhigten Bereich. Sie fahren vergnügt, einige Rolex, spielen Fangen, fahren rückwärts. Nicole sondert sich etwas ab, sie will mit Anlauf an die beiden anderen heranpreschen um sie ein wenig zu erschrecken. Doch etwas fürchterliches kommt herangerollt, ein Auto. Schnell macht Nicole eine 180° Drehung, ohne dabei die auf dem Boden dafür vorgesehen Linie zu berühren. Sie beschleunigt stark um vor dem Auto abzuhauen. Ihre Atmung nimmt zu, in ihren Handflächen bildet sich kalter Schweiß. Sie kann gerade noch, obwohl völlig außer Puste, ihre Freundinnen vor der herannähernden Gefahr warnen ehe sie, aus voller Geschwindigkeit, mit einer sauberen 90° Kurve zwischen zwei, im Abstand vom 30cm, parkenden Autos einbiegt. Anna schaltet am schnellsten, packt Sarah am Arm und zieht sie mit zwischen die beiden Autos. Nicole und Anna konnten sich auf den Bürgersteig retten, das Auto rollt vorbei, die Gefahr ist gebannt. Sarah hat es nicht geschafft und blieb zwischen den Autos stecken - sie hat nur Skill Level 2.

Theatralische Überspitzung zur Ausdrückung der Sinnlosigkeit - man hätte auch einfach absteigen können und sein Einrad auf die Seite schieben können, das hatte man bei der Konstruktion der Skill Levels wohl nicht bedacht.

Fazit Skill Levels für den Straßeneinsatz

Ob ein Straßenführerschein Sinn macht oder nicht, steht hierbei nicht zur Debatte. Klar ist jedoch, dass die ersten drei Levels Skills beinhalten, die auf einen Einsatz auf der Straße vorbereiten könnten, womit die eingangs gestellte Hypothese gestützt sein dürfte. Gesetzt dem Fall, ein Straßenführerschein macht Sinn, dann sollte man ihn auch so nennen und nicht versteckt in die Skill Levels einbauen. Die Ziele von Skill Levels und Straßenführerschein divergieren. Die Testroutinen müssten entsprechend angepasst sein und auch den gewünschten Effekt testen.

Validierung der Skill Levels

Unter Validierung versteht man vereinfacht ausgedrückt "Tut X was es verspricht". Für die Validierung leg ich ein Testkriterium fest und überprüfe daraufhin, ob das Kriterium eingehalten wird oder nicht.

Validierung: Fortschritt

Als Testkriterium für einen gelungenen Fortschritt im Einradtrickdschungel sind die o.g. Trickbeziehungen einzubeziehen. Der Fortschritt ist dann valide, wenn die Beziehungen beachtet werden. Kann man zwischen den einzelnen Levels die Tricks so miteinander verbinden wie im Trixionary Graph zu sehen, so ist das gegeben. Generell stellt ein Level die Voraussetzung für den nächsten Level bereit, die Beziehungen sollen folglich immer von links nach rechts gehen und nicht von oben nach unten (es sei denn es handelt sich um Transitions). All die Tricks, die sich nicht weiter nach rechts verbinden lassen, weil es keine aufbauenden Tricks mehr gibt - ich nenne sie deswegen Dead-End Tricks, sollten folglich in den hinteren (> 6) Leveln zu finden sein.

Am besten lassen sich die Trickbeziehungen zwischen den Levels inspizieren, indem man sie graphisch aufträgt und die Tricks zählt, bei denen die Verbindungen fehlen. Ich habe für die Validierung die Levels ebenso dargstellt und einige Tricks entsprechend markiert (Aufstiege sind dabei unbeachtet).


(Zum Vergrößern anklicken)

Die Tricks bei denen die Trickbeziehungen fehlen sind mit einem Warndreieck versehen. Damit lässt sich nun in Zahlen ausdrücken, wie gut hier gearbeitet wurde. Insgesamt sind 85 Tricks in den Skill Levels, davon 12 bei denen die Trickverbindungen nicht eingehalten wurden. Prozentual ausgedrückt fehlen bei 14,1% die Trickbeziehungen. Das sind genau 14,1% zu viel! Die Validierung ist in diesem Punkt also fehlgeschlagen.

Ein weiterer Punkt, der zur Validierung des Fortschritts beiträgt ist die Qualität der einzelnen Bewegungsaktionen. Erst wenn die einzelnen Aktionen so ausgeführt werden, dass sie im nächsten und übernächsten Trick noch gelten, dann kann man von einem gelungen Fortschritt sprechen. Überprüft werden sollte es beim Testverfahren und das bringt den nächsten Validierungspunkt: Testverfahren.

Validierung: Testverfahren

In kompositorischen Sportarten, worunter neben den artistischen Disziplinen im Einrad (Freestyle, Street und Flatland) auch Turnen, Tanzen, Eiskunstlauf, u.a. zählen wird die Bewegung qualitativ bewertet. Beispiel: Jemand fährt einen Wheel-Walk sehr wackelig, ein anderer sehr ruhig und kontrolliert. Zwischen den beiden Bewegungsausführungen besteht also ein qualitativer Unterschied, der Aufschluss über die Fähigkeiten des Fahrers gibt und im Wettkampf zugunsten desjenigen entscheidet, wer seinen Körper besser unter Kontrolle hat. Für die Skill Levels wichtig sind hier die Bewegungsaktionen bzw. diese, die einen Fortschritt gewähren und keine limitierenden Bausteine in den Weg eines Einradfahrers legen. Das bedeutet den Skill Levels müssten einerseits die für jeden Trick relevanten Bewegungsaktionen vorliegen und auch die Testrelevanten Aktionen ausgezeichnet sein. Gleichzeitig müssen die Tester so ausgebildet sein, die entsprechenden Stellen zu sehen und der Vorgabe entsprechend zu bewerten. So sähe ein faires Testverfahren aus.

Tatsächlich aber geben die Skill Levels quantitative Vorgaben wie 10m einen Trick ausführen. Für den Tester bedeutet das, schauen ob erste und letzte Linie im geforderten Trick passiert wurden, dann gilt der Trick als bestanden. Das gleiche geschieht auch bei Tests, bei denen eine Linie nicht berührt werden darf (360° oder 180° Drehung im 1m Quadrat aus Level 3 und 4). Wichtig für den Fortschritt ist aber das WIE. Wie wird der Trick gefahren, wie sieht die Bewegung aus und werden die nicht-limitierenden Bewegungsaktionen eingehalten? Das passiert genau nicht, das Linien-Schau-Spiel stemmt den Fokus der Tester aktiv vom wichtigsten Geschehen weg. Statt also auf eine korrekte Ausführung beim "Spin" zu achten, wird geschaut ob unten nicht die Linie berührt wird. Fairerweise sollte der Tester im Nachhinein sagen: "Toll, du kannst zwar ohne Linienberührung durch den Kreis fahren, den Spin hast du dir damit aber gerade gründlich verbaut", alles andere wäre Betrug am Fahrer. Stellt sich blos noch eine Frage: WARUM?
Ich glaube bei der Konstruktion der Skill Levels war man sich dessen nicht bewusst, wissenschaftliche Grundlagen gibt es ja heute kaum. Zum anderen ging man womöglich davon aus, dass niemand so versiert gucken könnte - ist jetzt meine Vermutung. Das o.g. faire Testverfahren stellt damit also auch hohe Ansprüche und Kompetenz an die Tester, die bisher noch in keiner mir bekannten Ausbildung vermittelt wurden. Also hat man sich die Linien einfallen lassen und somit über die Jahre hinweg das Augenmerk auf die falschen Dinge gelenkt.

Folglich sehe ich im Testverfahren den wundesten Punkt der Skill Levels, die Validierung schlägt auch hier fehl.

Validierung: Ein großes Spektrum an verschiedenen Tricks vermitteln

Ein löblicher Ansatz der hier verfolgt wird. Je höher das vermittelte Spektrum und damit das Trickrepertoire eines Fahrers, desto einfacher kann er neue Tricks erlernen, da ihm bereits viele verschiedene Bewegungsaktionen im Kopf vertraut sind anhand derer er eine neue Bewegung regulieren kann. Wer viele Bewegungen kann den nennt man im Volksmund auch Talent.

Die obige Visualisierung hilft auch für die Verifizierung dieses Punktes. Es ist auffallend das die Skill Levels vornehmlich aus 1ft, (1ft) Wheel-Walk, Seat out (Rodeo und Rodea) bestehen, die durch Variationen ihres eigentlichen Tricks dupliziert in den Skill Levels vorkommen. Weiterhin sinnlos sind auch Tricks die in einem Level völlig ohne Bewegungsrichtungsvorgabe daherkommen (links-rechts), im nächsten Level dafür gleich mit beiden Vorgaben, damit ist mind. eine Bewegungsrichtung schon mal doppelt (das sind solche Tricks, die im Schaubild in der jeweils dunkleren Farbe markiert sind). Links-rechts bzw. Lateralisierung (lat. latus = Seite) sollte ohnehin jedem selbst überlassen sein, denn jeder Fahrer hat hier eine individuelle Präferenz bzw. mancherorts gibt sie auch der Verein vor. Somit ist es überflüssig, die Seite in den Skill Levels vorzuschreiben - aber das nur als Anmerkung.
Die Tricks sind zwar für eine Festigung super und sollten auch im Training gefahren werden, jedoch ist deren Existenz in den Skill Levels unbegründet und dupliziert nur ein bereits verlangtes Bewegungsmuster. Insgesamt sind in den Skill Levels 48 duplizierte Tricks enthalten. Mit 56% verlangen die Skill Levels von den Fahrern im Grunde genommen "immer wieder das selbe". Ein großes Spektrum ist das nicht. Validierung Fehlgeschlagen.

Nonsense Tricks

Obsolete Tricks oder längst überholte Tricks habe ich als Nonsense markiert. Die meisten davon lassen sich ersetzen durch "einen Kreis fahren" oder normales Idling (= Verweilen auf der Stelle ohne absteigen, genauso wie Hopping). Wenn ein Trial Fahrer an die 4m droppen kann, fallen 15cm nicht mehr ins Gewicht. Es betrifft damit hauptsächlich auch diese Tricks, die eher in einen Einradführerschein fallen würden, damit also nicht in die Skill Levels fallen, wie oben erwähnt divergiert hier das Ziel, diese Tricks sind für die Skill Levels nicht interessant. Jedwede Lateralisierung fällt auch hierein, da die vorhandenen individuellen Präferenzen ignoriert werden. In Zahlen ausgedrückt sind das 34 Tricks und damit 40%.

Effizenzgrad der Skill Levels

Aus der Grafik oben auszulesen sind noch die grau hinterlegten Skills. Das sind diejenigen, die tatsächlich eine Berechtigung für die Skill Levels besitzen. Die grau hinterlegten Skills entsprechen auch den eingangs genannten Krtierien für Skill Levels. Das sind die "good parts" der Skill Levels. Insgesamt sind das 22 Skills. 22 von 85 Skills, das ist eine geringe Beute. Aber darüber lässt sich der Effizienzgrad der Skill Levels angeben, das ist nämlich die Prozentzahl der "good parts" und das sind 25,8%. Das ist eine echt miese Ausbeute.

Der Effizienzgrad von Skill Levels: 0.258

Zwischenfazit Skill Levels

Die Skill Levels geben zwar ein ehrgeiziges, ehrenwertes und sinnvolles Ziel vor, verpassen es jedoch selbst sich daran zu halten. Gerade die schwach ausgefeilten Testroutinen richten eher Schaden an, als das vorher gesteckte Ziel zu erreichen. Mit einem Effizienzgrad von gerade mal 0.258 sollten die Skill Levels gar nicht erst benutzt werden. Fraglich ist noch, ob das Gerücht mit dem Straßeneinsatz stimmt, meine Beweisführung deutet jedoch daraufhin. Dann ist dieser Einsatz zum einen schlecht kommuniziert worden und zum anderen am falschen Platz.

Die Skill Levels in Deutschland

Ein bisschen Geschichte: Die Skill Levels fristeten in Deutschland lange ein Nischendasein, bis 2006 der BDR die Skill Levels als Qualifikation für den Wettkampf erhob. Level 3 für die Junioren, ansonsten Level 5. Obwohl die Skill Levels von sich selbst behaupten nicht in die Wettkampf Regeln eingebunden zu sein, nutzte man sie dafür - der erste fragwürdige Stolperer hier. Weiter gehts mit Level 3 als Grenze für die Junioren. Zur Erinnerung die ersten drei Level waren von manchen bestenfalls für den Straßeneinsatz gedacht, nun wurden sie als Kriterium für etwas gänzlich anderes angelegt - der zweite Stolperer. Die Lage hat es damals nötig gemacht, dass man einen Qualifikationsprozess vor den nationalen Wettkampf schaltet, aber die Skill Levels waren sicherlich das falsche Pferd - Alternativen?.

2007 wurden vom EVD das Einrad-Leistungsabzeichen, kurz ELA, etabliert. Für mich sah es eher nach einer irrationalen, emotional getriebenen Konteraktion, ein Konkurrenzprodukt zu den BDR Skill Leveln zu erstellen. Die ELA-Levels beinhalten leicht veränderte Testroutinen um die bereits bekannten, verhassten Prüfungen etwas angenehmer zu gestalten. Eine weitere Validierung will ich hier nicht vornehmen - wie es geht habe ich hier gezeigt. Dennoch gibt ein Level einen bestimmten Stand wieder (s.o.), der sich bei mir in keinem der ELA-Levels erschließt.

Den größten Bock schießen jedoch die stattfindenden Skill Level Prüfungen ab. Gesammelt fahren Vereine mit antretenden Fahrern zu organisierten Skill Level Prüfungen und werden anschließend in einer Datenbank gelistet. Der Bürokratische Overkill schlechthin. Die Skill Levels stellen sich ja selbst gegen die eigenen angestrebten Ziele eines Trainingsinstruments aber die Skill Level Prüfungen treiben es auf die Spitze. Zumeist junge Kinder durchlaufen hier ängstlich die einzelnen Prüfungen. Es gibt sogar positive Stimmen, die behaupten man trifft sich dort und tauscht sich aus? Das gilt für die Betreuer und die älteren Fahrer, aber da hört es dann auch schon auf, die Fahrer profitieren davon nicht. Für die Skill Level Prüfungen sehe ich vier mögliche Optionen für die Zukunft:

  1. Abschaffen
  2. Der gastgebende Verein veranstaltet ein Training, an dem die teilnehmenden Vereine Fahrer schicken. Damit würde auch das Argument wieder hergestellt, dass es ein Austausch gibt - auch zwischen den Fahrern, das Training müsste entsprechend aufgebaut sein.
  3. Workshops, auch in Verbindung mit Punkt #2.
  4. Skill Level Prüfungen als Nebenangebot auf anderen Events anbieten, aber niemals als Hauptattraktion
  5. Und aus Liebe zu allen Fahrern, niemals mehr die Levels von 98 benutzen (Es gibt eine Ablöse, siehe unten).

Die Skill Level Prüfungen sind damit natürlich eine deutsche Besonderheit, die sich aus dem Umstand der Qualifikation (Zum Glück mittlerweile abgeschafft) für nationale Wettkämpfe ergaben. Viel schlimmer ist, dass es bis noch knapp vor einem Jahr State-of-the-Art war die Skill Levels dafür zu nutzen und man sich nach keiner alternative Umgesehen hat und Skill Level Prüfungen gibt es sogar heute noch. Trotz wechselnder Führungsspitze im BDR hat die Sache niemand kritisch hinterfragt und eine Änderung in Erwägung gezogen? Es gibt nur ein Wort, der das Verhalten beschreibt: Faulheit. Durch die Skill Levels ergab sich bestenfalls eine negativ-Erziehung die an den Fahrern Schaden angerichtet hat: "Deutschland, was hast du dir Angetan?"

Wo war und ist die kritische Betrachtung in der Tiefe, wie sie hier in diesem Artikel dargestellt wird? Dadurch hätte dieser Umstand vermieden werden können. Der immens hohe Preis durch die negativ Erziehung der Fahrer und dem angerichteten Schaden durch die Skill Levels als Qualifikation relativiert in keinster Weise die gelebte Faulheit, das muss sich dringend ändern. Die Verbände sollten sich ihrer Aufgabe als "Hüter der Sportart" wieder stärker bewusst werden. Dazu gehört richtig harte Arbeit mit Wissensgewinn durch Forschung und Tests, alles andere ist Ringelpiez mit Anfassen.

Skill Level Ammenmärchen

Die Skill Level sind das wohl missverstandenste Produkt im Einradfahren. Deswegen kläre ich auch mal ein paar Ammenmärchen auf:

Skill Levels als "Vergleich zwischen den Fahrern"

Ich höre oft von einem Vergleich zwischen Fahrern anhand von Skill Levels. Die Stufen geben gleichwohl eine Verhältnisskala vor mit der, statistisch betrachtet, Vergleiche möglich sind. Damit ist es sicherlich auch zu einem nicht-vermeidbaren Nebeneffekt der Skill Levels geworden. Wer jedoch vergleicht, der begeht einen Fehler. Zum einen läuft der Vergleich auf einer ausgewählten quanitativen Submenge von Einradtricks, alle Einradtricks (es werden über 1000 geschätzt derzeit) bleiben dabei außer Acht. Ein Problem das als Ziegenproblem bekannt ist und in einigen Unterhaltungsshows im Fernsehen genutzt wird. Zum anderen bleibt die Bewegungsqualität unbeachtet. Dazu müsste jede einzelne Bewegungsausführung vom Prüfer eine Note bekommen. Wieder zwei verborgene, nicht ganz offensichtliche Gründe, die ein Suggestivangebot der Skill Levels zunichtemachen. Korrekterweise stellt ein Level einen individuellen Meilenstein im Techniktraining dar: "Ich bin jetzt hier!". Ein Trainer kann das durch die Worte "Jetzt kannst du x, y und z. Dann können wir ja jetzt an u, v und w arbeiten" unterstützen.

Für den Vergleich gibt es den Wettkampf, auf den die Skill Level als Trainingsinstrument allerdings vorbereiten.

"Aber die Kinder benutzen sie doch"

Es ist sicherlich nicht von der Hand zuweisen, dass im Training die Skill Levels benutzt werden. Das aber auch erst seit der Einführung durch den BDR und dem damit verbundenen Zwang für den Wettkampf. Der andere Grund ist die fehlende Alternative. Auf einer Insel, auf der nur Kartoffeln angebaut werden können, die Insel von jeglichem Handel ausgeschlossen ist und sich die Bevölkerung auch nur von Erdäpfeln ernährt "Aber sie essen doch Kartoffeln", stellt einen guten Vergleich zur Situation der Skill Levels her.

"Und es hilft ihnen doch"

Hier muss man es objektivieren. Welches sind die Objektiven Kriterien anhand derer eine Verbesserung festgemacht wird und viel wichtiger, sind die Skill Levels dafür verantwortlich. Hier sind die Skill Levels im Moment einfach nur Zeitverschwendung. Sie bringen keinen Fortschritt und im Gegenteil muss man danach sogar die Bewegungen für die Levels sogar wieder umlernen. Hier muss man genauer sein, was wo und wie etwas bringt.

Skill Levels zur Rettung der Skill Levels

Die derzeit in Entwicklung befindlichen Skill Levels setzen dem Spuk ein Ende. Die Vorzüge sind die gleichen wie in den Levels von 1998, jedoch mit dem Unterschied das die Validierung bereits anschlägt und auch die fertigen Skill Levels werden das tun (Das Testverfahren ist noch der letzte Punkt). Bis Ende März sollten die Bewegungsbeschreibungen im Trixionary vorliegen - das oben angesprochene Technikleitbild. Aber auch ohne geben die neuen Skill Levels die moderne Marschroute vor. Die neuen Levels sind nicht nur eine Modernisierung der alten Levels mit neuen Tricks, sondern es sind auch Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Erkentnisse mit eingeflossen die zur gewünschten Validierung beitragen. Die Verbände sollten hier ein Training anhand der neuen Skill Levels propagieren.

Fazit

Techniktraining benötigt ein fundiertes Wissen über die Biomechanik, die Theorie über Einradtricks und wie der Mensch letztlich an eine neue Bewegung herangeführt wird. Da die Basis dafür nicht klein ist kann - so gut das Training auch gemeint sein mag - schnell nach hinten losgehen. Nicht nur das Training auch die Skill Levels arbeiten mit dieser Basis. Leider auch nicht gut genug. Die Skill Levels von 1998 sollten nicht mehr benutzt werden. Stattdessen sollte man die neuen Skill Levels benutzen, denn obwohl sie sich noch in Entwicklung befinden, sind sie den alten Levels weit voraus. Generell müssen hier die Wissenssäulen auf denen das Einradfahren aufsetzt deutlich verbessert werden. Passiert das nicht, drehen wir uns im Kreis. Ich freu mich über jeden, der dabei mitmacht.

gossi

Deutschland produziert laschen und langweiligen Freestyle

06.09.2011, 12:44 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Ich habe die Freestyle Präsentation meiner gefilmten Küren untersucht und ein - für Deutschland mieses - Ergebniss erhalten. Die Präsentationsleistung habe ich auf Schulnoten umgerechnet. Hier ist der Notenspiegel:

1 2 3 4 5 6 Schnitt
0 1 4 16 16 5 4,6

Aber mal der Reihe nach, wie es dazu kommt:

Basis der Untersuchung sind meine Videoaufzeichnungen, die ich während der BDR Freestyle Meisterschaft in Dietzenbach 2011 aufgenommen habe. Aufgenommen wurden die Küren mit der Casio Exilim-F1 in HD-Ready (720p) - die Gesichter und auch Mimiken sind auf dieser Aufnahmequalität ausgezeichnet zu sehen. Bewertet habe ich nur Einzelküren. Insgesamt habe ich 32 Küren bewertet, so verteilt:

Frauen U13 2
U15 9
U17 5
U19 6
19+ 5
Männer 5

Um die Präsentationswertungen ranken sich viele Mythen. Hier mal zwei:

  1. Die Präsentationswertungen sind zu dominant. Tricks zählen ja fast garnicht mehr.
  2. Die Japaner bewerten unsere Präsentation nicht richtig

Die zwei Mythen kann ich mit dieser Untersuchung hoffentlich demythisieren.

Aber nun zur Untersuchung selbst.

Methode

Die Präsentationswertung kann mit dem aktuellen Freestyle Judging System nicht korrekt gemessen werden, es ist zu alt. Wer sich daran festhält begeht einen Fehler. Daher habe ich mir eine eigenes Bewertungssystem für diese Untersuchung ausgedacht, hier sind die Kriterien:

  • Selbstsicher/-bewusst: Wird die Kür sicher oder unsicher gefahren und kann der Fahrer die Sicherheit an das Publikum weitergeben.
  • Körperspannung: Hängt der Körper schlapp herum oder ist der Körper angespannt. Gilt sowohl für den Ganzkörper als auch für langsame kleinamplitudige Bewegungen.
  • Spannung: Hält die Kür den Zuschauer im Atem oder passiert nichts (oder zu spät) und der Zuschauer schläft dabei ein? Ist die Kür über die gesamte Dauer spannend, dann sollte der Zuschauer am Ende traurig sein, dass die Kür zu vorbei ist.
  • Durchdringung: Fährt ein Fahrer nur sturr seiner Choreographie nach, von a nach b nach c, entsteht dadurch ein Zustand der Apartheit? Die Kür ist gestückelt und wird so vorgefahren. Zwischen Fahrer und Kontext der Kür klafft es, denn eigentlich werden zwei Küren gezeigt. Im Gegenteil dazu gehen Kontext der Kür und Fahrer eine Symbiose ein und kreieren etwas ganz fantastisches? Die Kür wird als Einheit gefahren.
  • Natürlich: Kommen die Bewegungen, Mimiken und Gesten vom Fahrer oder sind sie z.B. eine Kopie des Trainers? Im letzteren Fall entsteht eine künstliche Präsentation.
  • Volle Amplitude: Arme werden häufig benutzt, das ist gut. Gerne wird der Arm dabei gestreckt. Wahrgenommen wird die Streckung nur, wenn die volle Amplitude erreicht wird (bezieht sich auf alle Bewegungen, nicht nur die Arme).
  • Bewegungssegmente: Es gibt 6 Bewegungssegmente: Kopf und Hals, Schultern, Brustkorb, Becken, Arme und Beine. Ist in Küren eine monotone Bewegung in den Armen zu verzeichnen oder gibt es einen interessanteren Mix?

Die ersten 5 Variablen wurden als Prozente gemessen. Also zu wieviel Prozent war das Merkmal während der Kür präsent. Die letzten beiden Variablen wurden in der Häufigkeit ihres Vorkommens gemessen. Die volle Amplitude ist natürlich nur zu messen, wenn eine Bewegung die volle Amplitude ausnutzen soll.

Ergebnisse

Zur Übersicht der Ergebnisse, die Mittelung, Standardabweichung und Range der erreichten Einzelwerte:

Selbstsicher: 61% ± 20%, Min: 5, Max: 95
Körperspannung: 35% ± 25%, Min: 5, Max: 95
Spannung: 36% ± 21%, Min: 0, Max: 80
Durchdringung: 50% ± 27%, Min: 0, Max: 100
Natürlich: 54% ± 23%, Min: 10, Max: 90
Volle Amplitude: 2 ± 2, Min: 0, Max: 6
Bewegungssegmente: 2 ± 1, Min: 0, Max: 5

Um nun auf die Noten zu kommen, wurden die Einzelwerte verrechnet. Die Werte der vollen Amplitude waren hierzu ungeeignet. Der Wert für die Spannung der Kür wurde doppelt berechnet, er zeigte sich als wichtigster Faktor. Die Formel zu Berechnung der prozentualen Bewertung einer Kür:

= (Selbstsicher + Körperspannung + Spannung * 2 + Durchdringung + Natürlich + Bewegungssegmente / 6 * 100) / 7

Die Noten wurden anhand folgender Liste ausgezählt (siehe Artikel Schulnote auf Wikipedia ):

  • 100 % bis 92 % = Note 1
  • 91 % bis 81 % = Note 2
  • 80 % bis 67 % = Note 3
  • 66 % bis 50 % = Note 4
  • 49 % bis 30 % = Note 5
  • 29 % bis 0 % = Note 6

Notenspiegel s.o.

Diskussion

Auffallend niedrig sind die Werte zu Körperspannung und zur Spannung der Kür, aber keine Überraschung. Gerade mal auf mittlerem Prozentniveau befinden sich die Durchdringung und die Natürlichkeit, nur wenig besser die Selbstsicherheit. Letztere lässt sich etwa damit erklären, dass im Training nur Tricks, aber keine Präsentation trainiert wird. Bei im Mittel 2 Bewegungssegmenten ist das auch keine starke Ausbeute. Hier wurde nicht gezählt mit welcher Häufigkeit welche Bewegungssegmente bewegt werden. Stark dominant sind hierbei jedoch die Arme. Die meisten anderen gezählten Bewegungssegmente treten hier oft nur einmalig auf (nach subjektiver Einschätzung).

Nichtsdestotrotz möchte ich die 4 Küren - die unterschiedlicher nicht sein könnten - vorstellen, die am besten abgeschnitten haben:

  • Nadine Weng: Bewegung ohne Ende, hier geht die Post ab. Die gefahrene Kür war zu Lena Meyer-Landrut, Satellite. Die Bewegungsvorgaben durch die Lena waren hier eindeutig getroffen, nicht kopiert aber dennoch exakt mit der eigenen Persönlichkeit dargestellt. Auch im Training geht die Nadine so ab, hier ist 120% Party am Start, langeweile ist woanders.
  • Kim-Laura Parchent: Die tänzerische Ausmahlung war vor allem durch die vielfältigen Bewegungen sehr stark. Langeweile für den Zuschauer wurde somit vermieden. Die Bewegungen wurden ernstahft übertrieben und trafen deshalb auch oft die volle Amplitude, die gezeigte Körperspannung unterstütze. Ein leichtes bei der Kür nur auf den Oberkörper zu schauen, die Tricks ließen sich komplett ausblenden, Unterhaltung war auch so garantiert.
  • Maren Sender: Maren ist als Batgirl gefahren. Das Interessante an der Kür waren die eher wenigen Bewegungen. Die Musik gab die Spannung vor, die Bewegungen waren gezielt zur Betonung gesetzt. Die Spannung ergab sich vor allem aus der ruhigen und überzeugenden Fahrweise. Die Tricks wurden gerade mit dem Minimum an Vorbereitung gefahren um die Zuschauer nicht durch zu lange Anfahrtszeiten zu ermüden.
  • Till Wohlfarth: Der Till zeigt Tricks immer in einer gewissen Gemütlichkeit. Das ist alles andere als einfach. Hier kommt keine Hektik in der Kür auf, die Körperspannung hält das zusammen und unterstützt die nicht-hektische Ausführung. Beim Till ist es aber weniger die Präsentation die für die Spannung zuständig ist, sondern seine Tricks. Die angespannten, Zähne bibbernden Zuschauer überlegen "Welchen Hammer-Trick zaubert der Till als nächsten?". Den Luxus können sich in Deutschland allerdings nur eine handvoll Fahrer erlauben (Seine Schwestern etwa in der Paarkür).

Außerdem konnte ich folgendes Feststellen:

  • Selbstsicherheit hängt mit der Tricksicherheit zusammen. Eigentlich sind es zwei unabhängige Zustände, eine Differenzierung zwischen beiden ist anscheinend noch nicht ausreichend trainiert. Hier hängt noch der alte Gedanken in den Fahrern fest: Die Präsentation "geht schon nebenbei".
  • Körperspannung und Beherschung der Tricks. Wer seine Tricks in Ruhe ausführt zeigt zugleich auch eine bessere Körperspannung. Ein logischer Schluss, denn im umgekehrten Fall wenn der Trick hektisch ausgeführt wird, sind womöglich noch nicht alle Freiheitsgrade offen, die Bewegung ist unökonomisch, für den Trick überflüssige Muskeln werden kontrahiert und statt Körperspannung gibt es Verkrampfung.

Insgesamt gibt es nach dieser Untersuchung keine fröhliche Bilanz für deutsche Freestyler.

Mögliche Ursachen

  • Das Freestyle Judging-System. Ich habe es ja oben schon angesprochen, das System ist schon alt. Heute wissen wir (ich?) mehr über unseren Sport. Im Freestyle Judging-System ist es aber noch nicht untergebracht. Ich habe schon viele Gespräche mit Ryan Woessner darüber geführt (Präsident der IUF). Er kennt die Schwachstellen, wir sind in engem Kontakt und überlegen die nächsten Schritte zu Verbesserungen, ein neues Judging-System ist hier geplant.
  • Judges. Obgleich das Judging-System die Vorgabe für das Bewerten ist, müssen die Judges die Bewegung reliabel erkennen, analysieren und valide einordnen. Hierfür sind Kentnisse über die Bewegungen (allgemein als auch einradspezifisch) notwendig, ähnlich wie ein Arzt über medizinische Kentnisse verfügt. Ein viel zitierter Satz aus dem Training: "Warum soll ich das machen? Kann ja eh kein Judge sehen".
  • Fahrer. Wenn vor 2-3 Jahren das Bewegen der Arme noch als modern und galt, ist das heute ein de-facto Standard nur leider noch ungenügend. Hier muss das Interesse für bessere, spannendere und vielfältigere Präsentation entstehen.

Das bringt mich zu den oben genannten Mythen.

Demythisierung

Die aktuelle Situation ist ein Teufelskreis. Die Fahrer bekommen für Ihre Präsentation ganz gut Bewertungen, warum sollte man sich hier also verbessern, wenn die Wertungen in einen guten Bereich fallen? Das ist eine deutsche Hochlobung, auf internationaler Ebene funktioniert das nicht mehr. Die Bewertungen der Japaner gegenüber den deutschen fallen weitaus negativer aus, eine Begründung dafür liefert diese Untersuchung. Die Bewertung der Japaner ist hier viel näher der Realität als eine Deutsche.

Die Situation in Deutschland lässt sich sogar noch detailierter beschreiben: Als Bürokratieliebhaberland Nr.1 werden die Vorgaben durch das Freestyle Judging-System sehr genau genommen. Dadurch ergibt sich eine kategoriale Einordnung der Küren in die Wertungsvorgaben. Nur wer in den Kategorien x, y, z gut abschneidet, bekommt auch einen guten Platz. Zu viele fehlende Aspekte, die dabei fallen gelassen werden. Wer einen guten Platz haben will, muss dafür nicht zwingend eine gute Kür fahren . Ist die Absteckung der Kategorien hier zu eng? Probleme bei der Übersetzung vom englischen ins deutsche? Könnte an der Natur beider Sprachen liegen, mit der deutschen Sprache lässt es sich um ein vielfaches genauer beschreiben. Bei der Übersetzung ist dann möglicherweise im deutschen nur eine Ausprägung getroffen worden? Ich weiß es nicht, aber das untersuche ich als nächstes.

Insgesamt würde ich vorschlagen, aufgrund dessen und um Rücksicht auf das Alter des Freestyle Judging-Systems hier einen Schritt zurück treten und die Formulierungen etwas unschärfer zu bewerten. Bei der Präsentation aber schärfer auf die Kriterien dieser Untersuchung zu achten, im Zuge einer internationalen Anpassung. Zukünftige Judging-Systeme werden das auch.

Kritik

Natürlich muss auch diese Untersuchung kritisch betrachtet werden! Ich selbst auch, so sind mir währenddessen folgende Punkte aufgefallen:

  • Bei der Bewertung wurde das Gesicht vergessen. Blickrichtung und das Mimikspiel (nur Grinsen genügt heute nicht mehr, es ist nur eine Option unter vielen).
  • Volle Amplitude als Parameter ist wichtig, für diese Untersuchung aber nicht optimal gewählt.
  • Bei den Bewegungssegmenten wurde nur gezählt, wieviele verschiedene Bewegungssegmente genutzt werden, nicht aber deren Häufigkeit, die für eine Aussage über die Variation natürlich besser geeignet gewesen wäre. Ganz klar lässt sich sagen werden hier die Arme eingesetzt, die anderen Segmente werden meistens nur einmal bewegt.
  • Generell gibt es keine erwiesene Auswahl der Variablen, die obige Auswahl ist also der erste Schritt.
  • Die Bewertung habe nur ich gemacht. Eine Expertengruppe wäre hierzu besser geeignet. Weniger aber Einradfahrer, eher Tänzer.

Abschneiden bei der Unicon 15

Die Ergebnisse der Unicon 15 in Wellington, Neuseeland beweisen die Ergebnisse dieser Untersuchung. Deutschland ist dafür bekannt international mit hohem technischem Niveau aufzutreten, das Abschneiden wird also weniger dadurch beeinflusst. Hier mal der Medallienspiegel der Deutschen im Freestyle bei der Unicon 15 (Plätze 1 - 6):

Platz Einzelkür Paarkür
1 1 1
2
3 4 1
4 4
5 1 1
6 1 1

In dieser Platzierungsreihenfolge fallen die deutschen Platzierungen nicht so sehr auf. Deutlicher ist die negativ-Verteilung (nur gezählt, wenn die Plätze nicht unter die ersten 6 fallen):

Platz Einzelkür Paarkür
Letzter Platz 2 2
Vorletzter Platz 5 1
Drittletzter Platz 1 1

Die Deutschen sind besser darin, die letzteren Plätze statt den vorderen zu belegen. Die vorderen Plätze gehen zumeist an die Japaner.

Verbesserungen

Um den genannten Zustand zu verbessern, muss an vielen Stellen gearbeitet werden:

  • Freestyle Judging-System. Dieser Punkt ist sicher der starrste und die Änderung wird hier am längsten dauern. Wie oben schon angesprochen bin ich mit Ryan Woessner im Gespräch über ein neues System. Meiner Vermutung nach, wird nächste Unicon ein Kommittee dazu gegründet.
    • Es gibt aktuell ein IUF Kommittee, dass sich mit der Qualität der Judges befasst. Das besteht aus Felix Dietze, Christian Hoverath und mir. Wir untersuchen dazu die Qualität in Deuschland. Erkenntnisse werden hier in die Ausbildung und das neue Freestyle Judging-System fließen.
  • Judges. Hier kann die Ausbildung direkt beginnen. Dazu muss nicht auf das neue Judging-System gewartet werden.
  • Trainer & Fahrer. Präsentation geht nicht mal nebenbei. Die muss zusätzlich trainiert werden oder in das tägliche Training integriert werden. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

Workshops

Im Gespräch mit der Britta Hommen (BDR) und der Kirsten Häusler (EVD) habe ich eine entsprechende Ausbildung angeboten. Gerne hätte ich viele Judges vor der Qualimeisterchaft Ende Oktober damit ausgebildet. Auf der anderen Seite, ist die Termindichte bis dahin ohnehin sehr hoch, zusätzlich sind über die Sommerferien auch viele verreist, ehe sie die Mitteilungen bekamen, weshalb das ganze Unterfangen von Anfang kritisch für diese Zeitspanne war. Ein Termin steht jedoch fest (weitere Wiederholungen sind angedacht). Er ist damit offen für alle. Ich werde an diesem Tag zwei Workshops halten:

Am 25.9.2011 in der TSV-Halle Rodgau-Dudenhofen, 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr.

1. Workshop: Grundlagen

- Wie lassen sich Bewegungen erkennen, welches sind die relevanten Bewegungsmerkmale und -arten
- Koordinative Fähigkeiten und kleine Einführung in die Biomechanik
- Einradspezifisches Fachwissen (eigene Forschungsergebnisse)

2. Workshop: Wie trainiere ich spannende Küren?

- Was ist Präsentation? Wie setze ich die Bewegungen in der Kür um?
- Wie trainiere ich die Präsentation (Trainingsplanung)?

Der Workshop ist genau das richtige, um sich in den genannten Punkten dieser Untersuchung zu verbessern.

Für wen sind die Workshops?

- Trainer
- Fahrer
- (Freestyle) Judges
- Skill Level Tester
- Eltern, die gerne ihre Kinder mit hilfreichen Tips unterstützen möchten

Ausschreibung mit genaueren Informationen und Anmeldung gibt es hier: http://einradfahren.de/files/Ausschreibung_Einrad_Workshops_Sept_2011.pdf

Achtung: Die vermittelten Kentnisse sind noch ganz frisch also sei einer der ersten, die es Erfahren!

Event auf Facebook - kommt zahlreich!

gossi

Wie funktionieren Spins?

09.07.2011, 15:16 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Spins - wenn sauber gefahren - ziehen die Aufmerksamkeit der Umstehenden auf sich. Je schneller der Spin gefahren wird umso spektakulärer sieht er aus. High-Speed Spins sind die Parade-Tricks der Japaner und wenn bei einem Tempo von > 120 U/min noch die Pirouette hinzukommt ist das kreischende Publikum während einer Freestyle Kür vorporgrammiert.

Doch wie funktionieren die Spins? Welche Physik steckt dahinter?

Im deutschen unicyclist.com Forum gibt es dazu schon zwei interessante Themen, die viel Stoff zum Thema geben.

  1. Physik von Spins
  2. was man bei spins (nicht unispins!) beachten sollte

Im Rahmen meines Sportstudiums hatte ich im Wintersemester den Kurs "Wie funktionieren Bewegungen?" belegt. Als Bewegung suchte ich mit meiner Partnerin Leonie Poetsch den Spin auf dem Einrad aus. Die anzufertigende Hausarbeit des Kurses steht jetzt zum Download bereit.

Wie funktionieren Spins? (Gossmann & Poetsch)

Viel Spaß. Über Feedback würde ich mich riesig freuen.

Wieviel Einrad wissen wir?

16.01.2011, 21:47 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Seit nun mehr über einem viertel Jahrhundert fahren wir schon Einrad, mit enormen Zuwachs während der letzten Dekade. Bessere Bezugsquellen durch mehr Einradläden, bessere Einräder, neue Tricks, mehr Einradfahrer, neue Disziplinen um nur ein paar zu nennen. Doch wie steht es um unser Wissen über das Einrad. Nun, das schleppt sich gegenüber den anderen Entwicklungen sehr schwer hinterher.

Robert Mager zeigte mir mal auf einem Wettkampf sein Einrad und musste feststellen, dass es älter war als ich. Mein Einrad ist heute noch genauso konstruiert, in der grundlegenden Bauweise hat sich also nichts geändert. Zwar kann die Funktionsweise jeder etwas laienhaftig erklären, doch sind diese Erklärungen ungenügend. Eine genaue Funktionsweise auf Basis physikalischer Gesetzmäßigkeiten ist bisher nicht bekannt - zumindest habe ich keine bisher finden können. Und doch basiert alles darauf auf.

Auch auf anderen Gebieten ist ein fern bleiben von solchem Wissen zu erkennen. Mein Lieblingsthema Einradtricks mit dem strukturellen Aufbau, der Organisation und dem Zusammenspiel aus allem. Nach aktuellen Ansichten stellt sich dieses Gebilde ganz anders dar, also noch vor 5 Jahren. Bedeutende Systeme, wie das Freestyle Judging System basieren auf diesen Irrtümern von vor 5 Jahren.
Um Tricks zu vermitteln braucht es schließlich das Wissen darüber, wie sich der Trick aufbaut um ihn, in kleine Häppchen gepackt, einem Fahrer beizubringen. Dabei muss man auch wiederum die physikalischen Gesätzmäßigkeiten beachten, die (wie oben erklärt) noch nicht genau erklärt sind.

Um beim Training zu bleiben, so gibt es dort den Faktor Mensch und seine Fähigkeiten, genauer das Leistungspotential das psychophysiologischen Systems des Menschen. Hierbei spielen Kondition, Koordination und das Psychosoziale Verhalten des Menschen die maßgeblichen Einflussfaktoren, die beim Training zu berücksichtigen sind. Zum Glück gibt hier bereits die Sportwissenschaft allgemeine Vorgaben, doch welche eignen sich dafür im Einradfahren? Welche wurden angewandt und haben sich bewährt? Wie müssen sie parametriesiert werden?

Das Training ist in einen Trainingsplan gepackt. Vielerort wird wohl sowas wie ein Trainingsplan eingesetzt ohne dass diese Personen Kenntnis darüber haben oder gar formal so benannt wird. Im Idealfall werden die oben genannten Dinge im Trainingsplan berücksichtigt. In den meisten Fällen wird hier jedoch unwissentlich Kontra dem Fahrer gehandelt, da die Zusammenstellung wider dessen läuft, was für den Menscher eher zu bewältigen ist. Das Resultat sind ineffiziente Trainingspläne, seien sie noch so gut gemeint. Einen Vorwurf kann man den Personen hier nicht machen, das nötige Wissen darüber fehlt.

Warum nun alles wissen? Steht ja schon alles da.

Die Stellen, über die das Wissen fehlt, sind sehr tiefgehendes Wissen über das Einradfahren. Das Problem ergibt sich dass ein Fehler, der tief sitzt sich exponentiell nach oben weiterverbreitet. Das Endprodukt sind Regelwerke, Trainer, Trainingspläne, Skill Level, Kampfrichter, Wertungssysteme, etc. die am Ziel vorbeischiessen und unvernünftige Ergebnisse prodzuieren, die nicht das Wohl der Einradfahrer fördern, im Gegenteil. Das soll kein Vorwurf gegenüber irgend jemanden sein, es ist nur dass die aktuelle Situation ein Folgefehler durch die Abwesenheit von Wissen der Basiselemente ist. Denn die Basis ist die Grundlage des Fundaments...

Auf der anderen Seite liegt natürlich auch ein gewisser Charme darin, dass man etwas nicht weiß und es trotzdem funktioniert. Hier muss man also abwegen, den Charme zu der Unwissenheit zu erhalten oder zu forschen. Doch überwiegt hier der Teil an negativen Effekten, die durch das Unwissen entstanden sind. Die Option dieses tiefergehendes ist natürlich optional und jedem selbst überlassen. Diejenigen doch, die an der Weiterentwicklung des Sports involviert sind, sollten größtmöglichen Gebrauch davon machen.

Was also tun?

Im letzten Jahr habe ich damit begonnen, einige der gewonnen Kentnisse hier vorzustellen. Ich habe sie hier auf einradfahren.de unter dem Begriff UniScience eingestellt. Auch im IUF Blog ist dieser Begriff bereits angekommen .

Hier nochmal die Liste meiner Veröffentlichungen vom letzten Jahr:
06.04.2010: Structuring Unicycling Skills
17.06.2010: Wheel Walk - oder nicht?
14.09.2010: Die Schwierigkeit von Tricks
16.09.2010: Die Schwierigkeit von Kompositions-Tricks
18.09.2010: Rotationsbewegungen im Einradfahren
16.11.2010: Der Körperschwerpunkt auf dem Einrad, die suche nach dem G-Punkt

Diese Artikel sind bisher nur der Anfang und ich freue mich schon darauf ein fertiges Dokument mit dem Titel "Unicycling Skills Theory" zu veröffentlichen.

Leider bin ich mit meiner Arbeit ziemlich allein. Ich weiß aber auch, dass es viele gibt, die ähnlich viele Dinge im Kopf haben oder sogar herausgefunden haben. Leider, so habe ich festgestellt, unpubliziert erhält keiner Notiz davon :/ Legt euch einen Blog an, selbst wenn ihr nur spärlich schreibt. So bleiben die Informationen erhalten. Schreibt mich bitte an, wenn ihr etwas herausgefunden habt, ich bin natürlich sehr an soetwas interessiert, gebe auch gerne Feedback dazu.

Hierzu vielleicht noch ein paar Worte, die sicher auch viele Leser hier immer wieder verwirren. Es ist keineswegs trivial oder etwa einfach einen solchen Sachbestand zu erfassen, ergreifen, zu verstehen und danach dann verbessern. Einfach oder Trivial ist dann hoffentlich das Ergebnis, was dabei herauskommt. Das ist leider ein oft gemachter Fehler, der bei solchen Dingen entsteht.

Get your blog on. Veröffentlicht eure Erkenntnisse unter dem Begriff UniScience , so bleibt alles unter einem Begriff.

gossi

Der Körperschwerpunkt auf dem Einrad, die Suche nach dem G-Punkt

06.11.2010, 16:54 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Physikalisch betrachtet ist das Einrad ein inverses Pendel mit labilem Gleichgewicht . Wirklich? Auf dem Einrad existieren zwei inverse Pendel. Die Gabel, montiert an der Nabe und das Einrad, mit dem Laufrad Kontakt auf dem Boden. Im letzteren Fall handelt es sich wohl eher um ein räumlich inverses Pendel mit zwei Freiheitsgraden, auf dem Einrad kann man nach vorne, zur Seite aber auch in die Räume dazwischen auf den Boden fallen - jeder hat das schonmal ausprobiert. Vom Auflagepunkt auf dem Boden aus, ist das räumlich inverse Pendel also das Einrad, von der Nabe ab zweigt sich die Gabel als zweites inverses Pendel ab.

Der Fahrer kommt nun auch noch hinzu und verkompliziert die Sache. Der KSP (Körperschwerpunkt) des Menschen befindet in den meisten Fällen im Gesäß, so auch wenn der Fahrer auf dem Einrad sitzt. Doch was, wenn der Mensch auf dem Einrad sitzt? Eine klare Aussage ist zum jetztigen Zeitpunkt nicht zu treffen, lediglich Hypothesen:

H1: Der KSP befindet in der Nabe des Einrades und verschiebt sich beim Fahren nach vorne unten hinten.

H2: Der KSP befindet im Gesäß des Fahrers .

H3: Der KSP befindet im Gesäß des Fahrers und das Lot fällt auf die Nabe (davor bzw. dahinter) .

H4: Das Einrad und der Fahrer besitzen jeder einen KSP, im Gesamtsystem (Fahrer + Einrad) befindet er sich zwischen beiden KSP .

H5: Der KSP befindet sich zwischen Sattel und Gesäß .

H6: Der KSP befindet sich im Sattel .

Hypothesen zum KSP, wenn der Fahrer normal im Sattel sitzt. Doch was, wenn diese Fahrposition aufgegeben wird und statt dessen eine andere Fahrposition wie Drag-Seat, SIF (Rodeo), Stand up oder Wheel Hopping eingenommen wird?

Rotationsbewegungen im Einradfahren

18.09.2010, 19:30 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Bei Rotationsbewegung rotiert ein Körper um eine der Achsen aus dem dreidimensionalem Raum. Diese sind:

A - Die Körpertiefenachse (KTA) (Beispiel: Rad )
B - Die Körperlängsachse (KLA) (Beispiel: Pirouette )
C - Die Körperbreitenachse (KBA) (Beispiel: Rückwärtssalto )

Die Achsen werden relativ zu einem Körper angegeben, das das Bezugsobjekt darstellt. Im Einradfahren kann das der Fahrer sein (Etwa beim Bodyspin), das Einrad (etwa beim Unispin), Fahrer+Einrad (etwa bei der Pirouette) oder Fahrer|Einrad (beides separat und unabhängig von einander, etwa ein Inward Unispin ).

Tricks mit Rotationen

Im Einradfahren sind Rotationen um alle Achsen bekannt, hier einige Beispiele:

Körperlängsachse

Um diese Achse drehen sich die meisten Skills. Dazu zählen vor allem Kreise, Spins, Pirouetten, Unispins, Bodyspins, Hoptwists...

Körperbreitenachse

Hierzu zählen alle Crankflips, sowie auch Seatdrops. Bezugskörper ist das Einrad, rotiert werden die Kurbeln/Sattelstange um die KBA des Einrads, die Nabe stellt die Achse dar. Zu KBA-Rotationen zählen auch auch Adriens Frontflip oder auch Rückwärtssalto vom Einrad (und noch einer ). Ganz neu ist der Maxxwhip .

Körpertiefenachse

Die Rotationen um die KTA sind etwas komplizierter zu finden. Zu den prominenten Beispielen zählen Aufstiege wie der Kick-up oder der Floor Mount (auch Kissing me genannt) das Einrad wird hierbei um die KTA rotiert.

Achse und Rotationskörper

Die Achse befindet sich nicht immer im Zentrum des Körpers. Beim Kreis etwa, ist die Längsachse orthogonal zum Kreismittelpunkt. Beim Spin ist der Rotationskörper (Fahrer+Einrad) nur partiell in der Achse (Nur der Oberkörper von Kopf bis Gesäß, siehe Janina ), bei der Pirouette komplett von Kopf bis Laufrad.

Terminology

Für die Bezeichnung einzelner Tricks werden bisher Spin , Turn und Pirouette verwendet. Das führt mitunter zu Verwirrungen, da es auf keinem einheitlichen Grundsatz basiert. Viele scheitern schon am Verständnis von Backturn und Frontturn, die zudem noch als zweites Problem die Doppeldeutigkeit aufweisen:

1: (from back) to front turn
2: from front turn (to back)

Tatsächlich ist hierbei der erste Fall gemeint. Dieses Beispiel und auch die Weltweite Uneinigkeit über Tricknamen, besonders die den Rotationstricks zeigt, wie schludrig hier in der Vergangenheit gearbeitet wurde. Auch die Kommunikation mit anderen Einradfahrern ist kompliziert, da jeder seinen eigenen Dialekt pflegt. Ich halte viel von einer Revision der Tricknamen und beginne auch direkt mal mit einem Vorschlag.

Zukunftige Terminology für Rotationen

Turn - Ein Turn bezeichnet einen Richtungswechsel der Fahrtrichtung. Wenn ich von A nach B fahre und dazwischen einen 90° Turn mache, so komme ich bei C an. Fahre ich von A nach B und mache einen 180° Turn, so komme ich wieder bei A an.

Spin - Bezeichnet Tricks, deren Rotationskörper nur partiell in der Achse ist, also etwa Spin oder Seat on side Spin oder bei dem nur einer der beiden Rotationskörper beteiligt ist (Fahrer oder Einrad - Bodyspin bzw. Unispin).

Pirouette - Bezeichnet Tricks, deren Rotationskörper komplett in der Achse ist, also Pirouette. (Voraussetzung, die Pirouette ist aus einem Spin entstanden - ist das so?).

Twist - Bisher sind Tricks wie Frontturn und Backturn nicht erfasst. Das sollen nun die Twists sein. Den Namen gibt es bereits, bekannt als Hop-Twist. Twists sind identisch mit ihnen, nur ohne Absprung. Twists sind Rotationen, bei denen der Rotationskörper komplett in der Achse ist, jedoch nicht aus einem Spin entstanden sind. Front- als auch Backturn würden somit einen 180 Twist ergeben, von wo nach wo ist egal, würde nur zu erneuter Doppeldeutigkeit führen, dieser Umstand würde dadurch beseitigt. Man könnte hier von 180 Twist, 360 Twist, 720 Twist, etc. sprechen. Gültig wären aber auch Half-Twist, Full-Twist, Double-Twist - es könnten beide Bezeichnungen Koexistieren, problematisch wäre es aber mit Bezeichnungen aus dem Street und Flatland. Hier ist ein 180 flip ein 180 Hoptwist + Crankflip. Was wäre also dann ein 180 Twist? Die Japaner fahren einen Quick-Turn (Siehe Ryohei Matsuda, Unicon XV bei 1:02). Ich wäre dafür diesen Trick Twisting zu nennen. Würde mit einem Trick aus der Standard Skill List kollidieren (256a), diesen in Hoptwisting umzubennen geht leider nicht, existiert soweit auch (261a), beide Bezeichnungen sind gut gewählt, aber außer im Standardskill hab ich noch nie jemanden "Twisting" machen sehen. Würde Quick-Twist passen? Klingt komisch. Vorschläge werden angenommen.
Zu Twists würden dann auch Rotation aus dem Gliding und Standgliding zählen, etwa Tiptwist oder Standgliding Twist (davon sind etliche bei Ryohei zu sehen, er beherrscht sie auf der Welt am besten).

Flips - Alle Varianten von Crankflips. Problem ergibt sich für die Benennung von etwa Adriens Frontflip oder die Backflips vom Einrad (diese werden auch Backsumi genannt).

Rotationen und Schwierigkeit eines Tricks

Wie im vorherigen Newsbeitrag geschrieben, ist die Rotation ein Parameter für die Schwierigkeit eines Tricks. Aber nun welche, es gibt ja hier wieder auch etwas zu beachten. Generell ist festzuhalten, dass nur Rotationen als Parameter gelten, bei denen der Fahrer als Rotationskörper beteiligt ist. Die Auswahl wird also nur noch auf drei Rotationskörper reduziert (Fahrer, Fahrer+Einrad und Fahrer|Einrad). Tricks mit Rotationskörper Fahrer|Einrad sind Kompositionstricks, die Schwierigkeit wird anders berechnet und fallen somit raus. Dadurch bleiben noch zwei Ausprägungen (Fahrer und Fahrer+Einrad). Diese zwei Ausprägungen, sowie die partielle oder komplette Achsenrotation ergiebt eine Matrix mit 4 Möglichkeiten. Rotationskörper Fahrer und partielle Achsrotation fällt aber weg, weil anatomisch unmöglich. Im Endeffekt ergibt das 3 zu betrachtende Fälle:

  1. Fahrer und komplette Achsenrotation
  2. Fahrer+Einrad und partielle Achsenrotation
  3. Fahrer+Einrad und komplette Achsenrotation

Evtl. ist auch die Basisschwierigkeit für die einzelnen Fälle in dieser Reihenfolge zu betrachten, nach hinten heraus wird es schwieriger ?

Bei der Berechnung kann bei kompletten Achsrotationen mit einer multiplier-funktion gerechnet werden, die einen extrem exponentiellen Anstieg hat, da diese Rotationen mit einem Impuls eingeleitet werden der irgendwann nachlässt. Bei partieller Achsrotation ist von einem kontinuierlichem Fahren auszugehen, die Berechnung muss also anders erfolgen.

Die Schwierigkeit von Komposition-Tricks

16.09.2010, 11:52 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Nach der Schwierigkeit von Tricks, nun ein etwas genauer Fall, indem ein Trick aus mehreren Komponenten besteht. Meistens im Street/Flatland zu finden. Im Street/Flatland gibt es einige Grundtechniken, die dann kombiniert werden:

  • 90 unispin / 180 unispin
  • bodyspin
  • crankflip / backflip
  • (Leg)wraps
  • Rolling-wraps

... plus noch ein paar weitere. Viele der Tricks die wir im Street und Flat sehen, sind Kombinationen aus diesen, ein paar Beispiele:

360 unispin = 2*180 unispin
450 unispin = 2*180 unispin + 90 unispin ODER 3*180 unispin - 90 unispin (was stimmt hier wohl?)
540 unispin = 3*180 unispin
Hickflip = 180 unispin + crankflip
Treyflip = 360 unispin + crankflip = 2*180 unispin + crankflip
...

Liegt eine solche Konstellation vor, so lässt sich die Schwierigkeit über diese, hier aufgelöste Formel, berechnen. Es gibt die Grundschwierigkeit eines Tricks, etwa die eines 180 unispin (Bestimmung/Berechnung siehe im Newsbeitrag zuvor), die dann mit einem multiplies aufgerechnet wird. Wie wird der Multiplier eingesetzt? Hier ist es noch zu erörtern, ob es ein linearer Anstieg der Schwierigkeit ist oder gar ein exponentieller. Also steigt die Schwierigkeit von einem 180 unispin zu einem 360 unispin zu einem 540 unispin zu einem 720 unispin in gleich großen Intervallen oder werden diese zu Ende hin größer? Gleiches gilt für Crankflips (crankflip > doubleflip > tripleflip > quadflip) und ähnliche. Es ist davon auszugehen, dass es für jede dieser Grundelemente einen eigenen multiplier gibt. Also:

Schwierigkeit 360 unispin = 2*unispinmultiplier*180 unispin
Schwierigkeit Tripleflip = 3*flipmultiplier*crankflip

Für diese Art von Trickkonstruktion ist sowas durchaus vorstellbar und kann realistische Werte treffen.

Ich freue mich auf Kommentare und auch eigene kreative Ideen.

gossi

Die Schwierigkeit von Tricks

14.09.2010, 15:56 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Wie geil wäre es denn, ein Einrad Computer Spiel im Stil von Tony Hawks Pro Skater. Man fährt einen Trick. Unten rechts wird er auf dem Bildschirm angezeigt. Dazu die zugehörige Punktzahl. Eine Idee von Felix Dietze.

Die Bestimmung der Schwierigkeit ist bereits die Schwierigkeit selbst. Die Schwierigkeit basiert sicherlich auf subjektiven Erfahrungen. Jeder Einradfahrer hat bereits eine bestimmte Anzahl Verknüpfungen in seinem Gehirn geschaltet, dadurch werden Bewegungsabläufe schwerer oder leichter. Unterschiedliche subjektive koordinative, konditionelle und konstitutionelle Voraussetzungen begünstigen oder beungünstigen die Lerngeschwindigkeit und damit auch die subjektive Schwierigkeit. Das erklärt den subjektiven Wert, aber hier soll ein objektiver Wert gesucht werden.

Bisherige Ansätze

Skill Levels

Skill Level (98er Version) und Schwierigkeit gehen meist oft miteinander einher. Ein historisch gewachsener Irrtum. Sicherlich ist in den Skill Leveln die Schwierigkeit steigend, aber nicht zwingend. In den Skill Leveln sind die Tricks aufeinander aufbauend (oder sollten es sein), wodurch schon die erste Kompontente für die Schwierigkeit benannt wird, nämlich die Abhängigkeit. Jetzt zum Irrtum: Heute wird jeder behaupten Hand Walk ist viel schwieriger als Gliding! Warum? Weil Hand-Walk damals in Skill Level 8 platziert wurde, sogar zusammen mit Gliding. Seit 1998 hat sich dieses Bild aber verändert. Gliding wurde einfacher, weil sich die Wichtigkeit erhöht hat. Über die Jahre hat sich auch in den Köpfen der Menschen dieses Skill-Bild verändert. Gliding ist in diesem - noch von 1998 geprägten Bild - weiter in einen imaginären vorderen Level gerutscht. Auch Standwalk hat sich dort eingefunden. Auch das Wettkampfbild im Freestyle hat das Tricklernen geprägt und einige Tricks aus Sicht des Wettkampfes weniger oder mehr wichtig gemacht. So hat sich die Wichtigkeit von Gliding gegenüber Handwalk, vor allem durch die Wichtigkeit im Wettkampf deutlich erhöht. Von den Abhängigkeiten in der Tricklernreihenfolge, gibt es aber kaum einen Unterschied. Vom 1ft Wheel-Walk zu Standwalk oder zu Handwalk ist also kein großer Unterschied, aus historischen Gründen wird Handwalk allerdings schwieriger behandelt als Standwalk oder Gliding.

Skill Levels werden aktuell neu erarbeitet. Aber auch da und für die Zukunft gilt, die Levels repräsentieren nicht die Schwierigkeit der Tricks!

Standard Skill List

Die Standard Skill List liegt dem gleichen Irrtum auf, wie die Skill Levels. Ein historisch gewachsener Urwald, dessen Förster den Einsatz der Machete zu oft gemieden hat bis 2008. Da gab es eine Revision des Standard Skill Wettkampfes und auch die Standard Skill Liste wurde erweitert und einige Schwierigkeiten wurden anpasst. Das höchste was ich nun finden konnte ist die Schwierigkeit 9.5, Trick 59c (Standcoast-8) - was gibt der Trick wohl rückwärts? Die meisten Tricks liegen im 2er, 3er und im 4er Bereich. Besonders auffallend ist: Je neuer der Trick, desto höher sein Schwierigkeitsgrad! Historisch schwierige Tricks, bleiben allerdings schwierige Tricks - etwa Side Ride und Sideways Wheel Walk. Interessant sind die Single-Short-Skills, in denen sich Tricks aus dem Street und Flatland wiederfinden - mit verändertem vokabular, deswegen schwer zu finden. Als Shaun Johanesson seine Kreativität auslebte und Tricks aus dem Skateboarden im Einradfahren zeigte, fühlte sich der Standard Skill Förster gefordert, die Bäume von Shaun Johanesson zu pflanzen. Es geht los mit einem 180 Unispin, den kannte man ja schon aus dem Skill Level 10. Weil er im Skill Level 10 ist, ist der Trick natürlich auch sauschwer und mit 3.6 Schwierigkeitsgrad ausgezeichnet (215a). Ein 540 unispin wird mit 5.4 Schwierigkeitsgrad belohnt und mit nochmal 180 Grad mehr gibt es 6.8 Punkte. Nun, der 540 unispin gehört mittlerweile zu jedem Haushaltsrepertoire eines Flatlanders/Streeters und auch andere Bekannte zeigen sich üppig ausgezeichnet. Ein Hickflip etwa (220a - crankflip 180 unispin) schlägt mit 5.5 zu, Tendenz mit mehr Flips und Unispins steigend. Vergleichbar das Haushaltrepertoire eines Freestylers Seat Out (3a - 2.0), 1ft (19a - 3.0), Wheel-Walk (30a - 3.3), Gliding (53a - 3.9) und  Standwalk (50a - 4.2). Hinzu kommt, dass die Punktwerte auf das Standardskillfeld zugeschnitten sind. Freestyler benötigen mehr Raum, der Ihnen nicht zur Verfügung steht, deswegen sind die Punkte hier teils höher, dennoch liegen Freestyler-Werte um 2-3 Punkte unter den Werten für Flatlander/Streeter.

Flatlander und Streeter waren aber von diesem Wettkampf wohl nicht angetan (zum Glück?), sie würden den Standard Skill heute wohl dominieren.

Dieses Beispiel zeigt: Alte Gegenbenheiten müssen in den Köpfen erstmal gelöscht werden. Das manuelle Festlegen von Schwierigkeiten führt auch zu keinem Erfolg. Etwas anderes muss her!

Bewegungstyp

Zuerst können wir den Typ der Bewegung betrachten. Hier gibt es die Translation (geradlinige Bewegung) oder Rotation. Rotationsbewegungen gehören nicht in unseren Alltag und sind daher auch nicht stark ausgeprägt. Jeder der seine ersten 10 Runden Spin fährt, wird das deutlich spüren. Das Gehirn ist nicht darauf trainiert, die vielen Informationen, die der Körper während einer Rotationsbewegung sammelt und zum Gehirn leitet ordentlich auszuwerten. So versucht das Gehirn alle Bilder, die während des Spins von den Augen geliefert werden, auszuwerten. Werden die Bilder aber schneller geliefert, als es das Gehirn verarbeiten kann, kommt es zum Chaos. In Japan schaffen Fahrer 120 Umdrehungen in der Minute, in der eine Menge Bildmaterial vom Auge an das Gehirn geliefert wird. Der Trainierte ist hier in der Lage, dieser Flut stand zu halten. Er hat gelernt, diese Informationsflut zu filtern, erfordert aber eine langjährige Anpassung. Gegeben diesem Umstand lassen sich also Rotationsbewegungen als schwerer einstufen als translative Bewegungen.

Mein erster Ansatz, Abhängigkeit

Im Trixionary in der Version 3 hatte ich einen ersten Versuch gestartet, die Schwierigkeit zu berechnen. Diese Berechnungen gehen auf die Beziehungen eines Tricks zurück (siehe Die Eigenschaften eines Tricks ). Am Beispiel 1ft Wheel Walk im Trixionary lassen sich fast alle Beziehungen für einen Trick sehen. Diese im Detail erläutert:

Variationen: Hier sind alle Variationen dieses Tricks aufgeführt.
Davor Lernen: Hier sind Tricks aufgeführt, die man können sollte, ehe man diesen Trick lernt.
Danach lernen: Hier sind Tricks aufgeführt, die man lernen kann, sobald man diesen Trick beherscht.

=> Diese Beziehungen basieren auf einer hohen strukturellen Übereinstimmung der Bewegungsmuster dieser Tricks.

Die Transition in und out sind zwei besondere Beziehungen, die möglichen Übergänge bezeichnen das wechseln von A in diesen Trick oder von diesem Trick in einen bestimmten Trick B.

Für die Berechnung im Trixionary wird jeweils die Beziehung Davor Lernen bis zum Normal Fahren summiert. Der Hintergrund ist: je mehr Tricks man davor lernen sollte, desto schwieriger müsse dieser Trick sein. Ein paar Beispiel-Rechnungen:

Wheel-Walk, Schwierigkeit 1: Normal Fahren
1ft Wheel-Walk, Schwierigkeit 2: Normal Fahren + Wheel Walk
Standwalk, Schwierigkeit 3: Normal Fahren + Wheel Walk + 1ft Wheel Walk
Standgliding, Schwierigkeit 6: Normal Fahren + Wheel Walk + 1ft Wheel Walk + Standwalk + Einbein + Gliding

Standgliding basiert also auf der Lernkette Standwalk und auf der Lernkette Gliding. Im Graph sollte das beides sichtbar sein, jedoch ist das noch das letzte logische Darstellungsproblem, sonst wäre es auch im Graphen visuell sichtbar (Bugreport ).

Bei dieser Berechnung werden die Transitions ausgelassen. Transitions gibt es sehr viele und auch unterschiedliche. Es ist auch locker möglich aus dem Seat out fahren mit einem Sprung ins Standgliding zu kommen. Seat out ist aber eine unlogische Verbindung ins Standgliding, da die Bewegungsmuster nicht aufeinander aufbauend sind. Auch gibt es mehrere Möglichkeiten vom Seat out ins Standgliding zu kommen. Normal springen, mit 180 unispin, mit 360 unispin... die Möglichkeiten sind hier also unbegrenzt. Für die Berechnung erhalten wir dadurch einen undefinierten Wert mit dem sich eben nicht rechnen lässt, daher fällt er aus dieser Berechnung heraus.

Der hier ermittelte Wert kann eine ganz gute Richtgröße sein, geht es darum die Schwierigkeit eines Tricks an seinen Beziehungen fest zu machen. Anzumerken ist aber, dass die eingetragenen Beziehungen auf den Einträgen im Trixionary beruhen, die wiederum von jedem Mitglied auf einradfahren.de verändert werden können. Je nach Individuum ist Handwalk aus dem Einbein oder dem Wheel-Walk leichter und so sind beide Beziehungen in der Datenbank geschaffen.
Das Resultat ist eine lineare oder gar multilineare Größe. Als Richtgröße kann dieser Wert als Zwischenlösung ein Anhaltspunkt sein, als Dauerlösung scheidet er aber aus.

Die Wichtigkeit als Indikator für die Schwierigkeit?

Ein anderer Wert, der sich aus den Beziehungen im Trixionary erhalten lässt ist die Wichtigkeit. Eine Summe aus den Beziehungen Variationen, Davor Lernen und Danach Lernen. Dieser Wert zeigt an, wie wichtig dieser Trick ist, weil er mit vielen anderen in Beziehung steht und dessen Bewegungsmuster ausschlaggebend für viele weitere Tricks ist. Überlegenswert allerdings noch die Summierung durch die Tricks aus "Davor Lernen".

Weiter gedacht ließe sich die Wichtigkeit sogar staffeln. Wichtigkeit 1. Grades, 2. Grades... n. Grades. Die Wichtigkeit 2. Grades etwa würde zusätlich die Wichtigkeit addieren, die sich aus den Beziehungen ergibt. Komplizierte Theorie, ein Beispiel. Zur Wichtigkeit zählen nun also die Beziehungen aus Variationen, Davor und Danach Lernen (Transitions ausgelassen, Doppelnennungen nur einmal berücksichtigt). Am Beispiel Wheel Walk:

Wichtigkeit, 1. Grad: Davor Lernen (1) + Danach Lernen (9) = 10
Wichtigkeit, 2. Grad: Wichtigkeit 1. Grad (10)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von Normal Fahren (9)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von 1ft. Wheel Walk (5)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von Sidways WW (2)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von WW SIF (1)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von WW SIB FBF bwd (0)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von WW SIB (1)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von WW Seat on Side (0)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von 1ft WW Seat on Side (0)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von Sideways WW 1ft (0)
+ Wichtigkeit, 1. Grad von Sideways WW Sitting on Seat (1)
= 29

Im ersten Grad ist der Trick also für 10 weitere Tricks wichtig, im 2. Grad schon für 29. Hier entsteht ein exponentielles Wachstum der Wichtigkeit.

Ob und welche Wichtigkeit für die Berechnung der Schwierigkeit eines Tricks mit einzubeziehen ist, bleibt offen. Der erste Grade, der zweite, gar der dritte oder vielleicht auch das arithmetische Mittel von einem dieser. Der erhobene Zeigefinder winkt mit dem Skill Levels und Handwalk VS Gliding VS Standwalk Beispiel.

Quo Vadis?

Bewegungstyp + Abhängigkeit (+ Wichtigkeit). Diese Werte sind sicherlich nicht zu verachten, wenn es um die Berechnung der Schwierigkeit geht.

Hier ist noch kein Land in Sicht. Ich würde mich freuen hier Unterstützung zu bekommen. Das soll auch nicht unentlohnt bleiben. Für qualtitativ kreative und fundierte Einsendungen (mit einem kurzen Satz oder Absatz geb ich mich so schnell nicht zufrieden) oder die fertige Formel für Thomas Gossmann Pro Unicycling werden belohnt ! Der Webshop www.betterforyourbody.com lässt für einen guten Einfall, der dem Einradfahren hilft ein Goodie springen - es lohnt sich echt!

P.S. Je nachdem wie die Resonanz ist, würde ich hier eine API für das Trixionary entwickeln, sodass Berechnungen mit den Daten des Trixionary möglich sind.

 

Ich danke vielmals

gossi

Wheel Walk - oder nicht?

17.06.2010, 22:25 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Wheel Walk oder Einbein zählen zu den ersten Tricks, die ein Freestyler lernt. Eine genauere Analyse der beiden Bewegungsmuster zeigt die Unterschiede und daraus soll sich später eine Trainingsreihenfolge ergeben, die nicht Wheel Walk parallel zu Einbein als ersten Trick anführt.

Einbein

Das funktionale Bewegungsmuster von Einbein:

  1. Der eine Fuß steht auf der Gabel (neue Position)
  2. Der andere Fuß/Bein ist alleine für den Antrieb verantwortlich

Hierfür gibt es nun mehrere Methoden, dies zu erlernen:

  1. Einbeiniges Idling an der Wand, um den Fuß auf der neuen Position, der Gabel, einzugewöhnen
  2. Aus der Fahrt ein Bein anheben, eine Umdrehung auf einem Bein fahren, und wieder draufsetzen. Stimuliert das Gehirn, sich auf den Antrieb durch das eine Bein einzustellen.
  3. Kombination aus Beidem. Aus der Fahrt das Bein auf die Gabel setzen und probieren zu fahren. Evtl. am Anfang nur ein paar Umdrehungen und wieder zurück.

Der Vorteil daran: Die Bewegung wird in seine funktionalen Einzelteile zerlegt. Die funktionalen Elemente werden einzeln gelehrt und später zusammengesetzt. Man spricht von einer funktionellen Übungsreihe.

Wheel Walk

Das funktionale Bewegungsmuster von Wheel Walk:

  1. Der komplette Fuß wird beginnend an der Fußspitze bis zur Ferse über den Reifen abgerollt.
  2. Der andere Fuß auch
  3. Beide Füße in einem gelungenen Rhythmus bewegen
  4. Leichte Rücklage im Oberkörper

Anmerkungen: Punkt 1 und 2 lassen sich durchaus zusammenfassen, aber jeder Fuß macht die Bewegung schließlich separat und bei einigen Lernenden hab ich hier schon deutliche Unterschiede gesehen. Die leichte Rücklage im Oberkörper ist sowohl ein passiver Zustand, der automatisch durch die Verkettung der Körpersegmente eingenommen wird, als auch aktiv steuerbar und vor Allem in den ersten "Gehversuchen" bewusst eingenommen werden sollte. Rückwärtige Bewegungen fallen dem Menschen übrigens schwer und verursachen ein mulmiges Gefühl. Für diejenigen, die sich das jetzt nicht vorstellen können: Stellt euch vor, ihr sollt einen Flick-Flack oder rückwärts Salto machen :-), so ist das für jemanden, der gerade Wheel Walk lernt. Das "wackelige" Einrad unterstützt diesen Effekt zusätzlich.
Hinzu kommt die Sturzgefahr. Fädeln sich die Füße ein und der Lernende droht zu fallen, können in einem unglücklichen Moment die Füße nicht als erstes den Boden erreichen und der Aufprall kann nicht abgefedert werden. Das wiederum führt zu psychischen Blockaden, die auch die Bewegung beeinflussen. Manche paralysieren und verstarren auch in der Bewegung und fallen dann, aber das kommt sehr selten vor.

Als Trainer obliegt mir das Sichern. Das gelingt über einen guten Helfergriff, sowohl am Ellebogengelenk/Oberarm und Handgelenk. Auch kognitiv kann ich als Trainer dem Lernenden die Möglichkeiten zur Sturzprävention aufzählen und mich als Trainer selbst als Option aufzählen.

Wheel Walk lässt sich nicht wie Einbein funktional erlernen sondern sequentiell, man setzt einen Fuß vor den anderen. Die Bewegung lässt sich also nicht in viel kleinere funktionale Elemente aufteilen, etwa im Vergleich zum Einbein, ohne dass daraus ein anderer Trick wird - die sich dann auch einzelner erlernen lassen. Daraus ergab sich mir heute die Idee zuerst Einbein, dann 1ft Wheel Walk und dann erst Wheel Walk zu lernen.

Einbein - 1ft Wheel Walk - Wheel Walk

Im Einbein fahren wird wie oben erwähnt, die Position des Fußes auf der Gabel eingewöhnt. 1ft Wheel Walk wird aber wie Wheel Walk über eine sequentielle Übungsreihe gelernt. Bei 1ft Wheel Walk wird zuerst nur ein Fuß an das Abrollen auf dem Reifen gelehrt ohne die rhythmische Koordination beider Füße. Die Füße können hier einzeln eingelehrt werden und dann erst beide zusammen. So ergibt sich ob einer sequentiell vorliegenden Übungsreihe dennoch ein funktionaler Ansatz.

Kritisch ist allerdings die Kontrolle im 1ft Wheel Walk. Denn im zurücknehmen des Fußes ist die Kontrolle des Einrades kurzzeitig nicht der direkte Kontakt, sondern die kinetische Fortbewegung des Einrades (ein kurzes Coasten). Am anderen Ende kann es zum Gliden kommen, wenn nicht genügend Druck auf den Reifen gebracht wird (Geht man davon aus, dass der Lernende Gliding erst nach Wheel Walk bzw. 1ft Wheel Walk lernt und Gliding noch eine unbekannte Bewegung ist).

Ausprobiert habe ich das noch nicht, deswegen kann ich noch nicht sagen, ob dieser Ansatz besser geeignet ist und zu schnelleren Ergebnisen führt - es wäre auch schwer zu testen. Soll aber die Diskussion anregen, mehr in dieser Art über die Tricks zu denken. Ich würde mich freuen, hier ähnliche Beiträge zu sehen, die sich kritisch mit der Materie auseinandersetzen.

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