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Die Freestyle (R)evolution: Mach Kunst, kein Kitsch!

23.10.2015, 13:38 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Die Freestyle (R)evolution schleicht sich gerade an, sie ist im Gange. Wenige machen mit, wissen es aber nicht; einige täten vielleicht, sind womöglich zu feige, zu gewagt das Ganze... dann doch lieber beim Gewohnten bleiben, doch das hat längst ausgediehnt... eigentlich war es nie als solches gedacht...

Einrad-Freestyle ist eine technisch-kompositorische Sportart und reiht sich damit in die Riege neben Turnen, Eiskunstlauf, Rhythmische-Sportgymnastik, Tanzen und ähnlichen Sportarten ein. Allen gemein ist, dass ihnen der Aspekt der Ästhetik nachgesagt wird. Allen? Nein im Einrad-Freestyle ist diese Aussage (noch) zu verneinen. Deswegen der soziologisch angehauchte Erklärungsversuch (als Lehre vom zweiten Blick), der dem Einrad-Freestyle den Spiegel (aus Sicht einer unbeteiligten, dritten Person) vorhalten soll.

Es ist die "Ästhetik der Perfektion körperlicher Abläufe und Synchronisationen" (Bette, 2011, S. 25) die die Sehlust des Publikums bedient. Kann der Einrad-Freestyle hier gegen die etablierten Sportarten bestehen? Auch diese Aussage ist zu verneinen. Ein Wettkampf im Einrad-Freestyle hat gerade die Qualität einer Schulaufführung. Kinder fahren ihre Küren und Eltern loben sie für die erbrachte "Leistung" in den siebten Himmel. Die schroffe und kritische Bewertung der Kür durch einen Vertreter der anderen Sportarten bzw. aus dem Variete und der dort angelegten Qualitätsnorm bestehen nicht viele. Diese Kritiken würden die Traumblasen der vorher angesprochen Kinder in ihrer plüsch-rosa-roten Traumwelt unter Tränen platzen lassen. Selbst dem Wertungssystem gelang es bisweilen nicht, die unterschiedlichen Leistungsniveaus in ihrer Güte entsprechend einzustufen, stattdessen wurde Hokus und Pokus bewertet; Ästhetik als Hauptkriterium wurde zu einem insignifikanten Anteil geduldet.
Das Publikum besteht aus anderen Fahrern, Betreuern, Trainern und Familienmitgliedern der Fahrer, seltener gesellt sich jemand Externes dazu, Pressevertreter werden eingeladen. Tatsächlich legt die Einordnung der Sportart und die damit verbundenen Strukturen nahe die Externen zu locken, zu verzaubern und an die Spannung der Küren zu bannen aber dennoch passiert das nicht. Von einem Spektakel lässt sich deshalb noch nicht sprechen, der gemeine Wettkampf plätschert vielmehr von Dritten unbemerkt vor sich hin.
In Deutschland (aber auch in anderen Ländern) hat sich eine Kürmanufaktur etabliert. Dieses 0815-Standard-Schema läuft (etwas überspitzt) folgendermaßen ab:

  1. Zuerst wird ein Thema ausgesucht, das für die Kür die wichtigste Rolle hat, Verkleidung ist dabei das wichtigstes Bestandteil. Die Musik scheint dann geeignet, wenn das Wort des Themas sehr häufig im Liedtext auftaucht.
  2. Die Kür wird mit Tricks übervollgestopft, auch wenn diese garnicht zur aktuellen Musikstelle passen oder sich garnicht für die Kür eignen.
  3. Die übrige Zeit wird mit (Standard-)Handbewegungen, die sich auch in anderen Küren finden, aufgefüllt.
  4. Fertig.

Was fehlt ist der Hirnschmalz, der in die Choreographie und das Gesamtkonzept der Kür fließt und schließlich die Kreativität ausmacht, originelle Inszenierungen hervorzaubert um schließlich den Status Kunst zu verdienen. Stattdessen entsteht langweiliges rumgehampel und rumgehüpfe und gibt dem Vergleich zum "Zirkusgetue" transintentional einen Nährboden und bestätigt ihn zugleich. Paradoxerweise finden diejenigen Freestyler, die in ihrer Sache Kunst entstehen lassen, Anstellungen beim Cirque du Soleil, dem Tigerpalast Variete oder vergleichbaren Einrichtungen. Die Ruhmeshallen sind Erinnerungen in den Köpfen der Zuschauer, in der Meisterstücke ihren Platz finden, doch diese bieten noch Platz - die Speicherkapazität ist noch nicht ausgereizt, es herrscht hierbei wenig bis keine Konkurrenz.

Daher stellt sich die populäre Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? Die Seelen vieler Küren sind leer, magische Momente sind selten - nein, Kunst ist das nicht. Denkt man sich die überlangen Wertungspausen aus dem Wettkampf heraus, so kann man für das entstandene Produkt auch keinen Eintritt verlangen, das Niveau ist hierfür nicht ausreichend - das wäre beschämend dem Zuschauer gegenüber.

Aber kann es weg? Nein, keinesfalls! Der Einrad-Freestyle hat durch seine einzigartige Bewegungsart, kombiniert mit dem tänzerischen und theatralischen Elementen eine willkommene Nische gefunden. Der Sport muss dazu aber die Qualitätsnormen der etablierten Sportarten erreichen um mit ihnen um Zuschauer konkurrieren zu können. "Content is King" heißt es. Im Einrad-Freestyle ist der "Content" die Qualität, die Finesse, der Witz, die Intelligenz und die Spannung der Kür. Diese gilt es von den Sportlern zu liefern, um sich des Zirkus-Images zu entledigen und gleichzeitig den qualitativen Sprung und Aufwertung zu den etablierten Sportarten zu schaffen. Hier kommt die (R)evolution ins Spiel, die das Einradfahren dringend benötigt. Das betrifft die ganze Handlungskette und den damit verbundenen Akteuren, die am Einrad-Freestyle involviert sind. Vom Fahrer, Judges, Trainer über Personen die am Wertungssystem arbeiten und Ausbildung für alle vorgenannten. Der Flaschenhals ist natürlich letztgenannte, da sich zum einen die Sportwissenschaft nicht mit dem Einradfahren beschäftigt um umgekehrt sich die Einradfahrer nicht der sportwissenschaftlichen Erkentnisse bedienen und zuweilen widersprechen. Die (R)evolution kommt daher mit den zweigenannten Bereichen daher, die nun genauer erklärt werden.

Revolution

Mit der Revolution ist die Rückbesinning auf die teils oben genanten Werte aus den etablierten Sportarten gemeint. Im englischen heißt es nicht umsonst "ARTistic Freestyle" und das Prädikat Kunst wurde besonders in der letzten Iteration der Regeln aufgegriffen und durch die neuen Performance Regeln ordentlich aufgewertet und zurechtgerückt. Alleine das Wort Performance grenzt sich deutlich zum Vorgänger Präsentation ab und meint ein Vielfaches des vorigen, qualitativen Niveaus. Die neuen Regeln stellen damit eine Zäsur dar und kippen das bisherige. Bereits während der Regeländerungsphase im Rulebook Committee war der Slogan Mach Kunst, kein Kitsch präsent und richtungsweisend. Was fehlt ist die essentielle tänzerische Grundausbildung um auch Körpertechnisch die Bewegungsqualität liefern zu können. Es gibt nun keine Ausrede mehr darauf zu verzichten, es gehört zur Pflichtausbildung für jeden Einrad-Freestyler (und hat es eigentlich auch schon immer).

In der nächsten Phase ist mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten, dass auch die Regeln für die Tricks eine (größere) Änderung erhalten und v.A. die Schwierigkeit und Qualität der Bewegungsausführung richtig darstellen - im Moment ist es ein scheinbar heilloses Durcheinander mit sogar falschen Bewertungskriterien. Darauf ist sich einzustellen. Insbesondere Trainer und Fahrer sollten diesen Prozess im Training adaptieren. Wer das Bein in seiner Arabesque noch immer nicht bis in die Fußspitze streckt, die Hand am Sattel hat und/oder die Hüfte aufdreht zeigt nicht nur eine für die ganze Sportart peinliche Bewegung sondern wird zukünftig gewaltig mit Punktabzug zu rechnen haben.

Evolution

Durch das o.g. 0815-Standard-Schema für Küren hat sich dämonenartig, langsam aber tief verwurzelt eine Monotonie für Küren eingeschlichen. Traurig, denn genau hier liegt das größte Innovationspotential für Küren. Während bei Tricks der Sättigungsgrad zunimmt ist gerade deshalb auf artistischer Seite noch viel zu holen. Es liegt nun an den Fahrern mit Küren zu überraschen. Wer hierbei aber an seinem - zumeinst nur Tricktraining - festhält wird hier zukünftig nicht mehr wettbewerbsfähig bleiben. Eine tänzerische Grundausbildung vorausgesetzt, werden sich Fahrer, die sich Inspiration und Innovation aus anderen Kunstbereichen aneignen die Nase vorn haben. Der Konsum von Kunst bezieht sich dabei nicht nur ausschließlich auf Bewegungskunst, sondern auch um Gestaltung von Dingen, Häusern (Architektur) ... in Bereichen an denen man selbst Gefallen findet, um sein eigenes Repertoire zu vergrößern. Überraschungen werden sicherlich aus diesem Bereich stammen und von Fahrern und Trainern die es schaffen sich den Schleiermantel der Kürmanfukatur abzustreifen.

Ablauf der Freestyle (R)evolution

Alle Akteure sind in den Prozess der Freestyle (R)evolution mit eingebunden (Fahrer, Judges, Trainer über Personen die am Wertungssystem arbeiten und Ausbilder für alle vorgenannten). Kunst wird auch nicht von jetzt auf gleich entstehen, sondern benötigt eine gewisse Zeit um sich zu etablieren. Es muss nun etwas wachsen, an dem vorher nichts stand. Der Spross wird einige Jahre gedeihen müssen, ehe er seine Blüte zeigen kann und bis zu voller Blüte wird er sogar noch ein Weilchen mehr wachsen aber er ist nun gesetzt und das gießen und pflegen beginnt nun. Es ist nun an uns, dem Spross zu helfen und den Sport zu seiner angedachten Qualität zu verhelfen.

Literatur

Bette, K.-H. (2011). Sportsoziologische Aufklärung - Studien zum Sport der modernen Gesellschaft. transcript: Bielefeld.

AJATA Freestyle Convention 2015

13.09.2015, 19:25 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Die diesjährige AJATA Freestyle Convention findet am 17./18. Oktober in Nümbrecht (in der Nähe von Köln) statt. Till Wohlfarth hat sich dieses Jahr um die Aufstellung des Workshop Plans gekümmert und hat damit auch gleich mal alle Rekorde gebrochen: 16 Trainer! die an diesem Wochenende Workshops für alle Könnensstufen geben. Also nichts wie los und anmelden für das beste Freestyle-Wochenende des Jahres:

-> http://einrad-freestyle.de

Japanische Freestyle Meisterschaft im Fernsehen

04.09.2015, 13:49 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Mich erreichte heute eine Nachricht von Kazuhiro Shimoyama, er erzählte mir, dass die Japanischen Freestyle Meisterschaften im Fernsehen ausgestrahlt werden. Das gute daran? Wir können es auch in Deutschland im Livestream ansehen. Ausgestrahlt wird es beim japanischen Sender NHK, in der Sendung SPORTS JAPAN. Die Übertragung ist am Freitag, den 11. September 2015. Hier sind die Sendezeiten (Deutsche Zeitzone):

6:30 - 7:00
10:30 - 11:00
18:30 - 19:00
00:30 - 1:00

PS. Wer noch schnell sein japanisch aufbessern will, kann das in diesem netten Online-Kurs vom Sender erledigen, den ich noch schnell entdeckt habe (englisch vorausgesetzt).

One Wheel Revolution

14.07.2015, 16:18 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

David New hat diese sehr erfrischende Dokumentation der Unicon 17 in Montreal gedreht und gerade veröffentlicht. Anschauen!

Gemeinschafts-Video-Projekt: words

15.06.2015, 18:23 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Es ist Sommer, Zeit draußen zu fahren und das ganze auch zu filmen. Deswegen mache ich ein Gemeinschafts-Video-Projekt. Jeder der mitmachen will, meldet sich bei mir und bekommt von mir ein Wort. Das setzt er auf dem Einrad um, schickt mir die Clips und ich mache eine tolles Video daraus.

Ich hab ne kurze Website gemacht, auf der alles erklärt steht: http://einradfahren.de/videoprojekt-words/

Mit dabei sind schonmal Janna Wohlfarth, Lotta Linden, Felix Dietze und Till Wohlfarth. Wer noch mit ins Video will, mal flux vorbeischauen und sich bei mir melden. Let's go!

10.06.2015, 10:31 Uhr von Peter Kaufmann - 0 Kommentar(e)

Zum fünften Mal gibt es die beliebte Breitensportveranstaltung im schönen Nümbrecht mit Schnupperkursen, Hochradfahren, Tricktraining, Trialworkshop, EVD Leistungsabzeichen, uvm. Erstamlig auch mit Übernachtung für auswärtige Fahrer. UKB 5,-/8,-EUR Termin 13./14. Juni 2015

UTC: Unicycle Trick Convention

03.05.2015, 16:01 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Vom 26. - 28. Juni findet in Bad Tölz die Unicycle Trick Convention (UTC) statt. An Wettkämpfen werden Flatland, Street und X-Style veranstaltet. Als Highlight werden aber die bekannten Workshop-Leiter der AJATA Freestyle Convention Janna Wohlfarth, Carlotta Linden, Felix Dietze, Till Wohlfarth und Thomas Gossmann auch an diesem Wochenende Workshops geben, um die Wartezeit auf die nächste Freestyle Convention zu verkürzen.

Die Plätze sind limitiert, also gleich anmelden und auf Facebook zeigen, dass man dabei ist. Man sieht sich in Bad Tölz.

AJATA Freestyle Convention 2014

13.10.2014, 14:50 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Die AJATA Freestyle Convention 2014 findet am 22./23. November in Harpstedt statt. Die Kosten betragen dieses Jahr 36€ (ja, wirklich so günstig). Alles weitere und Anmeldung findet ihr auf der Homepage: einrad-freestyle.de. Auch immer gut, das Event auf Facebook zu liken und teilen.

Man sieht sich dort.

- gossi

 

Einradcamp und X-Style

07.05.2014, 16:14 Uhr von Thomas Gossmann - 0 Kommentar(e)

Das Einradcamp dauert eine Woche und findet vom 09.06 - 15.06.2014 in Rottenburg am Nekar statt. Namhafte Trainer (Mark Fabian und Krisztian Kovacs) sind vor Ort, um allen Teilnehmern Tipps und Tricks für ihre Technik zu geben oder einfach nur mit ihnen zu plaudern und zusammen Einrad zu fahren. Das Gelände bietet einen Trial Parcour, Beachvolleyball-Felder, einen Slackline-Garten, einen freien Platz für Flatland und Freestyle nebst einem Skatepark für Street.

Wettkämpfe

Am Wochenende findet die ODM Street & Flatland statt. Es wird Wettkämpfe im Street, Flatland und Trial geben. Aber auch am Freitag wird es bereits einen X-Style Wettkampf geben. Für alle, die sich vor der WM nochmal messen wollen bietet dieses Event eine großartige Bühne und ein spektakuläres Teilnehmerfeld.

Quelle:
Facebook Event

Street und Flat Sessions Dresden

31.03.2014, 23:08 Uhr von Sophia Pellmann - 0 Kommentar(e)

Street und Flatland Session Dresden vom 02.-04. Mai 2014

Vom 02. - 04.05 finden die Flat und Street Sessions in Dresden statt! Ein ganzes Wochenende Street und Flatland Treffen in Dresden! Jeder der Lust hat ist eingeladen.

Skatepark Dresden

 

Übernachtung:
Bei Einradfahrern in Dresden kostenlos möglich. Schlafsack und Isomatte mitbringen!

Verpflegung:
Es wird für Frühstück gesorgt. Ansonsten sorgt jeder für sich. Supermärkte, Fast Food etc. ist reichlich vorhanden.

Teilnahmegebühr:
Vorraussichtlich ca. 5€ für das Frühstück.

Anmeldung/ weitere Informationen:
Bitte eine Email an: sessions@einradfahren.de (wenn du bei Facebook eingeladen wurdest reicht es auch dort die Einladung anzunehmen)

 

Wir freuen uns auf euch!

Quelle:
Facebook Event
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