Internationale Wettbewerbsregeln, Internet-Ausgabe 1998
4.1 FAHRFLÄCHENMARKIERUNGEN UND AUSFÜHRUNGSARTEN
VON FIGUREN: Übersicht
Siehe Zeichnung. Die Fahrfläche muß ein einwandfreies Fahren
erlauben. Sie muß ausreichend beleuchtet sein. Ein Repräsentant
der IUF überprüft die Fläche, ob sie den Erfordernissen
entspricht, und erklärt sie für befahrbar. Der Boden muß
sauber, eben und glatt sein und soll nicht rutschig sein. Ein Wettbewerb
kann auch auf einer Fahrfläche stattfinden, die nicht für befahrbar
erklärt worden ist. Allerdings müssen die Ergebnisse eines solchen
Wettbewerbs nach Untersuchung durch das Regelkomitee (Rules Committee)
von der IUF nicht unbedingt offiziell anerkannt werden.
FAHRFLÄCHENBEGRENZUNGEN: Bei internationalen Wettbewerben muß die Fahrfläche 11 x 14 m groß sein. Wenn der zur Verfügung stehende Platz hierfür nicht ausreicht, darf die Fahrfläche bei allen übrigen Wettbewerben auch kleiner sein, jedoch nicht kleiner als 9 x 12 m. Alle Linien, einschließlich der Fahrflächenbegrenzung, müssen eindeutig markiert und mindestens 3 cm breit sein.
Bodenmarkierungen für das Standard Skill
![]() |
a. Innenkreis (Center circle, 50 cm Durchmesser)
b. Lange Seite der Fahrfläche (an dieser Seite sitzt das Kampfgericht) c. Kurze Seite der Fahrfläche d. Mittelkreis (Inner circle, 4 m Durchmesser) für Runden e. Außenkreis (Outer circle, 8 m Durchmesser) für Geraden und Wechselrunden f. Viertelmarken am Mittelkreis (Quater circle marks, je ca. 50 cm Länge) als Richtlinie für Beginn und Ende von Runden |
![]() |
BEISPIEL: GERADE (Line)
Geraden (Lines), Runden (Circles), und 8ten dürfen in beliebiger Richtung gefahren werden. Die Übung beginnt außerhalb des Außenkreises, schneidet den Innenkreis und endet außerhalb des Außenkreises. Die Gerade soll so gradlinig wie möglich sein. Runden und Wechselrunden dürfen an jedem beliebigen Punkt begonnen werden, solange der Sportler am Ende der Figur den Ausgangspunkt ein zweites Mal überfährt und damit die Übung vollendet. |
![]() |
BEISPIEL: RUNDE (Circle)
Runden werden außerhalb des 4m Kreises gefahren. Überfährt ein Fahrer während einer Übung den Mittelkreis, muß die Übung vollständig wiederholt werden von dem Punkt an, an dem der Fahrer sich wieder außerhalb des Kreises befindet. Das Überfahren des Außenkreises macht die Übung nicht ungültig, kann aber mit einer Welle abgewertet werden. Runden sollten so Gleichmäßig wie möglich sein. |
![]() |
BEISPIEL: WECHSELRUNDE (Figure Eight)
Die 8 kann an jedem Punkt gestartet werden und in jede Richtung gehen, solange wie die Fahrer/innen die Figur durch Überqueren des Ausgangspunktes beenden. Die beiden Hälften der 8 müssen kreisförmig sein, wobei der Durchmesser beider Teilkreise 4 m nicht unterschreiten darf. Die Mitte der Wechselrunde muß im Innenkreis liegen, die Enden der 8ten liegen außerhalb des Außenkreises. Die beiden teilkreise müssen gleich groß sein. Wechselrunden können in beliebiger Richtung gefahren werden. |
4.2 AUFSTIEGE (Mounts), ÜBERGÄNGE (Transitions),
ÜBUNGEN AUF DER STELLE (Stationary Skills):
Übersicht
Diese Übungen können an einem beliebigen Punkt der Fahrfläche
gezeigt werden.
4.3 KÖRPERHALTUNG:
Übersicht
Wenn nicht anders angegeben, muß jede Übung aufrecht sitzend
und mit gestreckten, waagrecht gehaltenen Armen gezeigt werden. Die Hände
sind flach, die Handflächen zeigen nach unten und die Finger sind
zusammen. Die Arme müssen nicht exakt nach den Seiten ausgestreckt
sein. Solange sie gestreckt und waagrecht sind, dürfen sie in jede
Richtung zeigen.
4.4 ABSTIEGE:
Übersicht
Alle Abstiege müssen kontrolliert erfolgen, auch am Ende des Fahrprogramms.
Ein Abstieg ist kontrolliert (beabsichtigt), wenn der Sportler zum Stillstand
kommt und vom Einrad absteigt. Alle anderen Abstiege werden als unbeabsichtigt
gewertet. Ein Abstieg liegt immer dann vor, wenn ein Sportler den Boden
berührt, außer bei Übungen, die dies erfordern oder wenn
ein Fuß auf dem Pedal den Boden berührt. Der Abstieg am Ende
eines Fahrprogramms hat in einer sportlichen Art zu erfolgen. Tut ein Sportler
dies nicht, wird hier eine Welle für einen unsicheren Abgang abgewertet.
4.5 FREMDE HILFE:
Übersicht
Bei internationalen Wettbewerben darf kein Sportler von einer Person
außerhalb der Fahrfläche Hilfe durch Zurufe oder durch sonstige
Zeichen in Anspruch nehmen, da dies die Einflußnahme eines Außenstehenden
wäre. Ebenfalls dürfen Fahrer/innen während der Durchführung
der Übungen nicht n die Übungsliste (list of skills) sehen. Das
schließt die Übungen ein, die auf die Hand des Teilnehmers oder
auf ein Stück Papier geschrieben sind. Jeder Blick des Teilnehmers
auf die Übungsliste bedeutet in der Beaurteilung eine Wellenlinie.
Bei anderen Wettbewerben sind Ausnahmen für sehr junge Sportler möglich.
4.6 WERTUNGSBÖGEN IM STANDARD SKILL Übersicht
4.6.1 EINFÜHRUNG: Vor der Teilnehme an einem Wettbewerb im Standard Skill muß jeder Sportler sein Fahrprogramm auf einem Wertungsbogen (Judging Sheet) einreichen. Das eingereichte Fahrprogramm enthält laufende Nummer, Bezeichnung und Punktzahl aller Übungen, die gezeigt werden sollen in der Reihenfolge, in der sie ausgeführt werden sollen.
4.6.2 ZULÄSSIGE ÜBUNGEN: Es dürfen höchstens 18 Übungen gezeigt werden. Maximal sechs dieser Übungen dürfen Aufstiege (Mounts) und/oder Übergänge (Transitions) sein. ANMERKUNG: Jede Übungsnummer darf auf einem Wertungsbogen nur einmal erscheinen. Das heißt, wenn ein Sportler zum Beispiel die Übung 15 b zeigt, muß er auf die Übungen 15 a, c, d, e, f, g und h verzichten.
4.6.3 REIHENFOLGE DER ÜBUNGEN: Die Reihenfolge der gezeigten Übungen muß exakt der Reihenfolge auf dem eingereichten Wertungsbogen entsprechen. Übungen, die in der Reihefolge des eingereichten Fahrprogramms ausgelassen werden, werden mit 100% abgewertet. Die Abwertung bleibt auch bei einem Nachfahren der ausgelassenen Übung bestehen.
4.6.4 AUSFÜLLEN DES WERTUNGSBOGENS: Der ausgefüllte Wertungsbogen muß vor dem vom Veranstalter festgelegten Stichtag eingereicht werden. Beim Ausfüllen müssen die Übungsbezeichnungen aus der Übungstabelle für das Standard Skills List genau beibehalten werden. Weitere Abkürzungen sind unzulässig. Ferner müssen die vollständigen Übungsnummern, die Punktzahlen und die Gesamtschwierigkeit (Summe der Punktzahlen aller Übungen des Fahrprogramms) eingetragen werden. Die Kampfrichter müssen die Wertungsbögen überprüfen und, falls möglich, zusammen mit dem Sportler, eventuelle Fehler berichtigen. Alle Nachteile, die sich aus einem fehlerhaft ausgefüllten Wertungsbogen ergeben, gehen zu Lasten des Sportlers und sind kein Anlaß für Proteste. Nachdem die Wertungsbögen überprüft sind, können daran keine Änderungen mehr vorgenommen werden.
4.6.5 GRUNDPUNKTZAHL: Eine Grundpunktzahl von 200 Punkten wird zu der Gesamtschwierigkeit aller Übungen eines Sportlers addiert. Daraus ergibt sich die Ausgangspunktzahl des Sportlers.
BEWERTUNG IM STANDARD SKILL
4.7 KAMPFGERICHT:
Übersicht
Das Kampfgericht besteht aus dem Obmann (Chief Judge), zwei Kampfrichtern
für die Schwierigkeit (Difficulty Judges), zwei Kampfrichtern für
die Ausführung (Execution Judges), zwei schreibenden Kampfrichtern
(Writing Judges) und einem Zeitnehmer (Timer). Das Kampfgericht arbeitet
in zwei unabhängigen Einheiten, bestehend aus je einem Kampfrichter
für die Schwierigkeit, einem Kampfrichter für die Ausführung
und einem schreibenden Kampfrichter. Für die einzelnen Aufgaben werden
die Kampfrichter ernannt bzw. entsprechend ihrer Erfahrung eingesetzt.
Alle Kampfrichter für die Expert-Kategorien müssen bereits bei
einem UNICON gewertet haben.
4.8 ARBEITSWEISE DER KAMPFRICHTER:
Übersicht
Während die Kampfrichter für Schwierigkeit und Ausführung
das Fahrprogramm verfolgen, liest der schreibende Kampfrichter die Übungen
vom Wertungsbogen ab. Der Kampfrichter für die Schwierigkeit meldet,
ob eine Übung vollständig ausgefahren wurde oder, falls nicht,
den prozentualen Abzug. Der Kampfrichter für die Ausführung nennt
die Fehler bei der Ausführung, indem er die unten beschriebenen Fehlerzeichen
gebraucht. Der schreibende Kampfrichter schreibt die Ansagen beider Kampfrichter
auf dem Wertungsbogen nieder. Er sitzt daher zwischen den beiden anderen
Kampfrichtern. Das Kampfgericht muß so positioniert sein, daß
alle Kampfrichter die Wettkampffläche gut überblicken können.
Zwischen den beiden Einheiten muß genügend Platz gelassen werden
um sicherzustellen, daß sie unabhängig voneinander arbeiten.
4.9 SCHWIERIGKEITSWERTUNG (Difficulty Devaluations): Übersicht
4.9.1 AUSFÜHRUNGSART: Jede Figur auf dem Wertungsbogen muß gemäß der Beschreibung in der Übungstabelle für Standard Skills List ausgeführt werden. Entspricht eine gezeigte Übung nicht der Eintragung auf dem Wertungsbogen, werden 100% abgwertet.
4.9.2 TECHNISCHE FEHLER: Tritt während der Ausführung einer Übung ein technischer Fehler auf, werden 50% abgewertet. Technische Fehler sind unter anderem:
4.9.4 BEGINN EINER ÜBUNG: Alle Übungen beginnen, wenn der Sportler die für die Übung vorgeschriebene Position eingenommen hat.
4.9.5 REIHENFOLGE DER ÜBUNGEN: Übungen, die in der
Reihenfolge des eingereichten Fahrprogramms ausgelassen werden, werden
mit 100% abgewertet. Die Abwertung bleibt auch bei einem Nachfahren der
ausgelassenen Übung bestehen.
4.10 AUSFÜHRUNGSWERTUNG (Execution Devaluations):
Übersicht
1. WELLE (~) (wave) = - 0,5 PUNKTE Eine Welle wird einmal pro
Übung abgewertet für jeden der folgenden Ausführungsfehler:
4. KREIS (O) (circle) = - 3 PUNKTE Ein Kreis wird für jeden unbeabsichtigten Abstieg abgewertet, bei dem der Sportler mit einem anderen Körperteil als mit den Füßen den Boden berührt oder bei dem das Einrad zu Boden fällt.
ANMERKUNG: Fehler werden durch Striche, Kreise und Kreuze abgewertet,
sooft sie während der Übungen, Übergängen und zwischen
Übungen und Übergängen auftreten, egal ob sie auf dem Bewertungsbogen
eingetragen sind oder nicht. Je Ausführungsfehler wird nur die höchste
anwendbare Abwertung angerechnet. Wellenlinien werden nicht angestrichen
wenn sie zwischen Übung und Übergang passieren. Wellenlinien
können nur gegeben werden zwischen Übungen und Übergängen,
wenn sie nicht in Zusammenhang mit der Körperhaltung stehen.
Beispiel: Ein Wettkampfteilnehmer kann keine Wellenlinie bekommen,
wenn seine Arme zwischen den Übungen nicht in tadelloser Haltung sind,
aber ein Teilnehmer kann eine Wellenlinie bekommen, wenn er die Fahrflächenbegrenzung
überschreitet
4.11 ADDITON DER PUNKTZAHLEN:
Übersicht
Nach Beendigung eines Fahrprogramms werden prozentuale Abzüge
und Fehlerzeichen der Kampfrichter in Punktabzüge umgeformt. Diese
Abzüge werden von der Ausgangspunktzahl des Sportlers abgezogen. Anschließend
werden die Ergebnisse der beiden Kampfgerichte addiert und durch zwei geteilt,
um die ausgefahrene Punktzahl eines Teilnehmers zu erhalten.
Sieger in dem Standard Skill Wettbewerb ist der Sportler mit der höchsten
ausgefahrenen Punktzahl. Erreicht mehr als ein Sportler die gleiche Punktzahl,
wird die Plazierung durch die höchste Punktzahl in der Ausführung
bestimmt. Sind auch diese Punktzahlen identisch, erhalten die betreffenden
Sportler die gleiche Plazierung.