IUF Logo          Internationale Wettbewerbsregeln, Internet-Ausgabe 1998

 
4  STANDARD SKILL
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Übersicht
 
4.1 Fahrflächenmarkierungen und Ausführungsarten von Figuren
4.2 Aufstiege, Übergänge, Übungen auf der Stelle
4.3 Körperhaltung
4.4 Abstiege
4.5 Fremde Hilfe
4.6 Wertungsbögen im Standard Skill
BEWERTUNG IM STANDARD SKILL
4.7 Kampfgericht
4.8 Arbeitsweise der Kampfrichter
4.9 Schwierigkeitswertung
4.10 Ausführungswertung
4.11 Addition der Punktzahlen
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Diese Regeln sind Richtlinien, nach denen die Wettbewerbe im Standard-Kunstfahren ausgetragen werden. Gegebenenfalls können die Umstände es erfordern, daß die Regeln nicht genau befolgt werden. Dies gilt aber nur für nebensächliche Details, nicht für generelle Regeln. Müßte zum Beispiel die Fahrfläche wegen der Beschaffenheit der gegebenen Halle geringfügig kleiner sein als erforderlich, so kann das Kampfgericht durch Mehrheitsbeschluß darüber befinden. Alle beschlossenen Abweichungen von den gegebenen Regeln müssen allen Teilnehmern bereits vor dem Wettbewerb bekannt sein. In allen möglichen Situationen, für die die Regeln keine Lösung bieten, soll durch den Obman (Chief Judge oder durch Mehrheitsbeschluß in einer Versammlung aller Kampfrichter für den betreffenden Wettbewerb unter Vorsitz des Obmannes (Chief Judge) eine Lösung gefunden werden.

4.1 FAHRFLÄCHENMARKIERUNGEN UND AUSFÜHRUNGSARTEN VON FIGUREN:       Übersicht
Siehe Zeichnung. Die Fahrfläche muß ein einwandfreies Fahren erlauben. Sie muß ausreichend beleuchtet sein. Ein Repräsentant der IUF überprüft die Fläche, ob sie den Erfordernissen entspricht, und erklärt sie für befahrbar. Der Boden muß sauber, eben und glatt sein und soll nicht rutschig sein. Ein Wettbewerb kann auch auf einer Fahrfläche stattfinden, die nicht für befahrbar erklärt worden ist. Allerdings müssen die Ergebnisse eines solchen Wettbewerbs nach Untersuchung durch das Regelkomitee (Rules Committee) von der IUF nicht unbedingt offiziell anerkannt werden.

FAHRFLÄCHENBEGRENZUNGEN: Bei internationalen Wettbewerben muß die Fahrfläche 11 x 14 m groß sein. Wenn der zur Verfügung stehende Platz hierfür nicht ausreicht, darf die Fahrfläche bei allen übrigen Wettbewerben auch kleiner sein, jedoch nicht kleiner als 9 x 12 m. Alle Linien, einschließlich der Fahrflächenbegrenzung, müssen eindeutig markiert und mindestens 3 cm breit sein.

 
Bodenmarkierungen für das Standard Skill
a. Innenkreis (Center circle, 50 cm Durchmesser) 
b. Lange Seite der Fahrfläche (an dieser Seite sitzt das Kampfgericht) 
c. Kurze Seite der Fahrfläche 
d. Mittelkreis (Inner circle, 4 m Durchmesser) für Runden 
e. Außenkreis (Outer circle, 8 m Durchmesser) für Geraden und Wechselrunden 
f. Viertelmarken am Mittelkreis (Quater circle marks, je ca. 50 cm Länge) als Richtlinie für Beginn und Ende von Runden
 
 
 
BEISPIEL: GERADE (Line) 
Geraden (Lines), Runden (Circles), und 8ten dürfen in beliebiger Richtung gefahren werden. Die Übung beginnt außerhalb des Außenkreises, schneidet den Innenkreis und endet außerhalb des Außenkreises. Die Gerade soll so gradlinig wie möglich sein. Runden und Wechselrunden dürfen an jedem beliebigen Punkt begonnen werden, solange der Sportler am Ende der Figur den Ausgangspunkt ein zweites Mal überfährt und damit die Übung vollendet. 
 
BEISPIEL: RUNDE (Circle) 
Runden werden außerhalb des 4m Kreises gefahren. Überfährt ein Fahrer während einer Übung den Mittelkreis, muß die Übung vollständig wiederholt werden von dem Punkt an, an dem der Fahrer sich wieder außerhalb des Kreises befindet. Das Überfahren des Außenkreises macht die Übung nicht ungültig, kann aber mit einer Welle abgewertet werden. Runden sollten so Gleichmäßig wie möglich sein. 
 
BEISPIEL: WECHSELRUNDE (Figure Eight) 
Die 8 kann an jedem Punkt gestartet werden und in jede Richtung gehen, solange wie die Fahrer/innen die Figur durch Überqueren des Ausgangspunktes beenden. Die beiden Hälften der 8 müssen kreisförmig sein, wobei der Durchmesser beider Teilkreise 4 m nicht unterschreiten darf. Die Mitte der Wechselrunde muß im Innenkreis liegen, die Enden der 8ten liegen außerhalb des Außenkreises. Die beiden teilkreise müssen gleich groß sein. Wechselrunden können in beliebiger 
Richtung gefahren werden. 
 
 

4.2 AUFSTIEGE (Mounts), ÜBERGÄNGE (Transitions), ÜBUNGEN AUF DER STELLE (Stationary Skills):       Übersicht
Diese Übungen können an einem beliebigen Punkt der Fahrfläche gezeigt werden.

4.3 KÖRPERHALTUNG:        Übersicht
Wenn nicht anders angegeben, muß jede Übung aufrecht sitzend und mit gestreckten, waagrecht gehaltenen Armen gezeigt werden. Die Hände sind flach, die Handflächen zeigen nach unten und die Finger sind zusammen. Die Arme müssen nicht exakt nach den Seiten ausgestreckt sein. Solange sie gestreckt und waagrecht sind, dürfen sie in jede Richtung zeigen.

4.4 ABSTIEGE:        Übersicht
Alle Abstiege müssen kontrolliert erfolgen, auch am Ende des Fahrprogramms. Ein Abstieg ist kontrolliert (beabsichtigt), wenn der Sportler zum Stillstand kommt und vom Einrad absteigt. Alle anderen Abstiege werden als unbeabsichtigt gewertet. Ein Abstieg liegt immer dann vor, wenn ein Sportler den Boden berührt, außer bei Übungen, die dies erfordern oder wenn ein Fuß auf dem Pedal den Boden berührt. Der Abstieg am Ende eines Fahrprogramms hat in einer sportlichen Art zu erfolgen. Tut ein Sportler dies nicht, wird hier eine Welle für einen unsicheren Abgang abgewertet.

4.5 FREMDE HILFE:       Übersicht
Bei internationalen Wettbewerben darf kein Sportler von einer Person außerhalb der Fahrfläche Hilfe durch Zurufe oder durch sonstige Zeichen in Anspruch nehmen, da dies die Einflußnahme eines Außenstehenden wäre. Ebenfalls dürfen Fahrer/innen während der Durchführung der Übungen nicht n die Übungsliste (list of skills) sehen. Das schließt die Übungen ein, die auf die Hand des Teilnehmers oder auf ein Stück Papier geschrieben sind. Jeder Blick des Teilnehmers auf die Übungsliste bedeutet in der Beaurteilung eine Wellenlinie. Bei anderen Wettbewerben sind Ausnahmen für sehr junge Sportler möglich.

4.6 WERTUNGSBÖGEN IM STANDARD SKILL        Übersicht

4.6.1  EINFÜHRUNG: Vor der Teilnehme an einem Wettbewerb im Standard Skill muß jeder Sportler sein Fahrprogramm auf einem Wertungsbogen (Judging Sheet) einreichen. Das eingereichte Fahrprogramm enthält laufende Nummer, Bezeichnung und Punktzahl aller Übungen, die gezeigt werden sollen in der Reihenfolge, in der sie ausgeführt werden sollen.

4.6.2 ZULÄSSIGE ÜBUNGEN: Es dürfen höchstens 18 Übungen gezeigt werden. Maximal sechs dieser Übungen dürfen Aufstiege (Mounts) und/oder Übergänge (Transitions) sein. ANMERKUNG: Jede Übungsnummer darf auf einem Wertungsbogen nur einmal erscheinen. Das heißt, wenn ein Sportler zum Beispiel die Übung 15 b zeigt, muß er auf die Übungen 15 a, c, d, e, f, g und h verzichten.

4.6.3 REIHENFOLGE DER ÜBUNGEN: Die Reihenfolge der gezeigten Übungen muß exakt der Reihenfolge auf dem eingereichten Wertungsbogen entsprechen. Übungen, die in der Reihefolge des eingereichten Fahrprogramms ausgelassen werden, werden mit 100% abgewertet. Die Abwertung bleibt auch bei einem Nachfahren der ausgelassenen Übung bestehen.

4.6.4 AUSFÜLLEN DES WERTUNGSBOGENS: Der ausgefüllte Wertungsbogen muß vor dem vom Veranstalter festgelegten Stichtag eingereicht werden. Beim Ausfüllen müssen die Übungsbezeichnungen aus der Übungstabelle für das Standard Skills List genau beibehalten werden. Weitere Abkürzungen sind unzulässig. Ferner müssen die vollständigen Übungsnummern, die Punktzahlen und die Gesamtschwierigkeit (Summe der Punktzahlen aller Übungen des Fahrprogramms) eingetragen werden. Die Kampfrichter müssen die Wertungsbögen überprüfen und, falls möglich, zusammen mit dem Sportler, eventuelle Fehler berichtigen. Alle Nachteile, die sich aus einem fehlerhaft ausgefüllten Wertungsbogen ergeben, gehen zu Lasten des Sportlers und sind kein Anlaß für Proteste. Nachdem die Wertungsbögen überprüft sind, können daran keine Änderungen mehr vorgenommen werden.

4.6.5  GRUNDPUNKTZAHL: Eine Grundpunktzahl von 200 Punkten wird zu der Gesamtschwierigkeit aller Übungen eines Sportlers addiert. Daraus ergibt sich die Ausgangspunktzahl des Sportlers.

BEWERTUNG IM STANDARD SKILL

4.7 KAMPFGERICHT:       Übersicht
Das Kampfgericht besteht aus dem Obmann (Chief Judge), zwei Kampfrichtern für die Schwierigkeit (Difficulty Judges), zwei Kampfrichtern für die Ausführung (Execution Judges), zwei schreibenden Kampfrichtern (Writing Judges) und einem Zeitnehmer (Timer). Das Kampfgericht arbeitet in zwei unabhängigen Einheiten, bestehend aus je einem Kampfrichter für die Schwierigkeit, einem Kampfrichter für die Ausführung und einem schreibenden Kampfrichter. Für die einzelnen Aufgaben werden die Kampfrichter ernannt bzw. entsprechend ihrer Erfahrung eingesetzt. Alle Kampfrichter für die Expert-Kategorien müssen bereits bei einem UNICON gewertet haben.

4.8 ARBEITSWEISE DER KAMPFRICHTER:       Übersicht
Während die Kampfrichter für Schwierigkeit und Ausführung das Fahrprogramm verfolgen, liest der schreibende Kampfrichter die Übungen vom Wertungsbogen ab. Der Kampfrichter für die Schwierigkeit meldet, ob eine Übung vollständig ausgefahren wurde oder, falls nicht, den prozentualen Abzug. Der Kampfrichter für die Ausführung nennt die Fehler bei der Ausführung, indem er die unten beschriebenen Fehlerzeichen gebraucht. Der schreibende Kampfrichter schreibt die Ansagen beider Kampfrichter auf dem Wertungsbogen nieder. Er sitzt daher zwischen den beiden anderen Kampfrichtern. Das Kampfgericht muß so positioniert sein, daß alle Kampfrichter die Wettkampffläche gut überblicken können. Zwischen den beiden Einheiten muß genügend Platz gelassen werden um sicherzustellen, daß sie unabhängig voneinander arbeiten.

4.9 SCHWIERIGKEITSWERTUNG (Difficulty Devaluations):        Übersicht

4.9.1  AUSFÜHRUNGSART: Jede Figur auf dem Wertungsbogen muß gemäß der Beschreibung in der Übungstabelle für Standard Skills List ausgeführt werden. Entspricht eine gezeigte Übung nicht der Eintragung auf dem Wertungsbogen, werden 100% abgwertet.

4.9.2  TECHNISCHE FEHLER: Tritt während der Ausführung einer Übung ein technischer Fehler auf, werden 50% abgewertet. Technische Fehler sind unter anderem:

4.9.3  VOLLSTÄNDIGE AUSFÜHRUNG VON ÜBUNGEN: Jede Übung auf dem Wertungsbogen muß von Anfang bis Ende wie eingereicht gezeigt werden, ohne daß der Sportler den Boden berührt, außer, wenn die Übungsbeschreibung dies verlangt. Dies gilt nicht nur für Geraden (Line), Runden (Circle) und Wechselrunden (Figure Eight), sondern auch für alle anderen Übungen wie Übergänge (Transitions), Übungen auf der Stelle (Stationary skills) und Aufstiege (Mounts).
Wenn eine Übung in der ersten Hälfte der erforderlichen Zeit oder Strecke abgebrochen oder nicht bis zur Hälfte ausgeführt wird, werden 100% abgewertet. Übergänge, Aufstiege und nicht sich dauernd wiederholende stationäre Übungen (idling ist ein Beispiel für eine sich dauern wiederholende Übung  und hoptwist 90° ist ein Beispiel für eine sich nicht dauernd wiederholende Übung)  müssen bis zum Ende ausgeführt werden, sonst werden 100 % abgewertet.
Wenn eine Übung in der zweiten Hälfte der erforderlichen Zeit oder Strecke abgebrochen oder nicht bis zum Ende ausgeführt wird, werden 50% abgewertet. Übergänge, Aufstiege und stationäre Übungen, die bis zu Ende durchgeführt werden, aber die nicht perfekt ausgeführt wurden, können 50 % abgewertet werden.

4.9.4  BEGINN EINER ÜBUNG: Alle Übungen beginnen, wenn der Sportler die für die Übung vorgeschriebene Position eingenommen hat.

4.9.5 REIHENFOLGE DER ÜBUNGEN: Übungen, die in der Reihenfolge des eingereichten Fahrprogramms ausgelassen werden, werden mit 100% abgewertet. Die Abwertung bleibt auch bei einem Nachfahren der ausgelassenen Übung bestehen.
 
4.10 AUSFÜHRUNGSWERTUNG (Execution Devaluations):        Übersicht
1. WELLE (~) (wave) = - 0,5 PUNKTE  Eine Welle wird einmal pro Übung abgewertet für jeden der folgenden Ausführungsfehler:

2. STRICH (/) (line) = - 1 PUNKT  Ein Strich wird immer dann abgewertet, wenn ein Sportler die Kontrolle verliert. Der Verlust der Kontrolle beinhaltet unter anderem: 3. KREUZ (+) (cross) = - 2 PUNKTE  Ein Kreuz wird für jeden unbeabsichtigten Abstieg abgewertet, den der Sportler mit den Füßen abfängt, und bei dem das Einrad nicht zu Boden fällt.

4. KREIS (O) (circle) = - 3 PUNKTE  Ein Kreis wird für jeden unbeabsichtigten Abstieg abgewertet, bei dem der Sportler mit einem anderen Körperteil als mit den Füßen den Boden berührt oder bei dem das Einrad zu Boden fällt.

ANMERKUNG: Fehler werden durch Striche, Kreise und Kreuze abgewertet, sooft sie während der Übungen, Übergängen und zwischen Übungen und Übergängen auftreten, egal ob sie auf dem Bewertungsbogen eingetragen sind oder nicht. Je Ausführungsfehler wird nur die höchste anwendbare Abwertung angerechnet. Wellenlinien werden nicht angestrichen wenn sie zwischen Übung und Übergang passieren. Wellenlinien können nur gegeben werden zwischen Übungen und Übergängen, wenn sie nicht in Zusammenhang mit der Körperhaltung stehen.
Beispiel: Ein Wettkampfteilnehmer kann keine Wellenlinie bekommen, wenn seine Arme zwischen den Übungen nicht in tadelloser Haltung sind, aber ein Teilnehmer kann eine Wellenlinie bekommen, wenn er die Fahrflächenbegrenzung überschreitet

4.11  ADDITON DER PUNKTZAHLEN:       Übersicht
Nach Beendigung eines Fahrprogramms werden prozentuale Abzüge und Fehlerzeichen der Kampfrichter in Punktabzüge umgeformt. Diese Abzüge werden von der Ausgangspunktzahl des Sportlers abgezogen. Anschließend werden die Ergebnisse der beiden Kampfgerichte addiert und durch zwei geteilt, um die ausgefahrene Punktzahl eines Teilnehmers zu erhalten.
Sieger in dem Standard Skill Wettbewerb ist der Sportler mit der höchsten ausgefahrenen Punktzahl. Erreicht mehr als ein Sportler die gleiche Punktzahl, wird die Plazierung durch die höchste Punktzahl in der Ausführung bestimmt. Sind auch diese Punktzahlen identisch, erhalten die betreffenden Sportler die gleiche Plazierung.
 
 
 
 

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