Freestyle an der Unicon 22 – Deutschland vs. Japan

Die Freestyle Wettkämpfe an der Unicon 22 in Steyr 2026 verschoben einmal mehr die Grenzen was im artistischen Bereich des Einradfahrens möglich ist.

Die Herausforderungen den sich die Fahrer:innen stellen mussten waren bereits vor der WM ausgemacht und die Erwartungen wurden durch Social Media geschürt. So hatten die deutschen mit der Umstellung ihrer Küren von 4 auf 3 Minuten zu kämpfen, die Japaner ließen ihr Training auf Social Media durchblitzen und erzählten auf der WM von ihren ganz eigenen Herausforderungen.

Im X-Style sahen wir die angeteaserte japanische Kreativität in puristischer Reinform von Tricks. Selbst die Vorläufe zeigten ein enorm hohes Niveau – es war sofort klar, das ist ein Wettkampf auf internationaler Ebene der so auf nationaler Ebene niemals ein solche Reife erreichen kann. Auch die deutschen Fahrerinnen und Fahrer konnten sich mit der deutschen Trick-Meta behaupten. Von rein artistischem Freestyle zu Flatstyle und alles dazwischen wurde dargeboten.
Das Finale lockte ein großes Publikum an, dass keineswegs enttäuscht wurde und durch die Moderation und Kommentation durch Katharina Boll, Dale Gryzch, Amina Compaore und August Agerskov sehr belebend unterhalten wurde. Sportlich zeigte sich, wer auf den vorderen Plätzen mitspielen wollte musste bereit sein ein Risiko einzugehen – high risk, high reward wurde an diesem Abend ausgespielt.

Mit dem Begin von Artistischem Freestyle wurde der Unterschied zwischen Convention Contest und Expert Wettkampf deutlich sichtbar. Die Deutschen fuhren ihre bekannte Trick-Meta, mit ein bisschen Mund offen hier, einem Kopf nicken dort umhüllt mit ein bisschen Armgefuchtel. Diese Masche funktioniert nicht mehr, am Ende gewinnt Japan. Nur einigen wenigen ist das Kunststück geglückt sich auf den Ergebnislisten unter die Japaner zu mischen, so zum Beispiel im Convention Contest Celina Ritter, Hannah Grätzl, Lara Kubiczek und Malte Adam. In diesem Format zeigten sich auch die Japaner mit kreativeren Darbietungen ungleich des sonst so stereotypischen Stils.

Die Niveau-Schere spreizte sich noch mehr in der Expert Klasse. Hier zeigten die Japaner einmal mehr, dass sie sich nicht ausruhen, sondern ihre artistische Leistung über die letzten vier Jahre stark ausgebaut haben. Uns erreichten immersive Emotionen, ein enorm hohes Power- und Energielevel und auch neue artistische Ansätze, wie vom back-to-back Weltmeister Shuya Kimura gezeigt. Auf dieser Ebene konnten die deutschen Fro Fölster, Felix Adjei in der Einzlkür und Fro Fölster und Nike Möck in der Paarkür auf artistischem Niveau mithalten. Youngster Julius Auth konnte mit seinem persönlich besten Durchlauf bestätigen, dass er zur Weltspitze gehört.

Der Klassenunterschied zwischen Deutschland und Japan gipfelte in den Gruppenküren. Den Dreierblock eröffnete die beste deutsche Gruppenkür vom VfL Grafenwald energetisch und stimmungsmachend. Im Anschluss zeigte Toyoda, warum sie die einzigen auf der Welt sind, die ein solche Gruppenkür abfeuern konnten. Getoppt wurden sie durch die 18 Personen Kür von KGM – ein Spektakel zum genießen. Zwei Gruppenküren, die noch für viele Jahre in aller Munde sein und Erwähnungen als beste Kür erfahren werden. Die Kür des Schleswig-Holstein Kaders startete energisch, mit ein paar sehr guten Highlights – zum Ende hin verpuffte der selbst aufgebaute Hype. Das schöne Storytelling der 12 Personen Kür des Bayernkaders schaffte es leider kaum Energie und Präsenz auf die Fahrfläche zu bekommen und fiel somit vom Erinnerungs-Radar der Zuschauer.

Die Wettkampfleistung setzt sich zu jeweils gleichen Anteilen aus Technik und Artistik zusammen. Die Japaner zeigten, wie sich ein intensives Training der Körpertechnik und kognitive Auseinandersetzung mit dem artistischen Bereich umsetzt, während in Deutschland dieser Aspekt in dieser Intensität eher gemieden wird. Die Deutschen versuchen sich zwar an breiterer Trick-Vielfalt auf Kosten der Bewegungsqualität, scheitern aber die gesamte Anforderungen des artistischen Wettkampfs umzusetzen. Unicon für Unicon wird diese Methode erprobt, bis auf Ausnahmen von Janna Wohlfarth und Maja Novosel kommt man stehts zum gleichen Ergebnis (da gibt es doch einen Namen für ?). Zwar zeigten sich viele Deutsche interessiert an mehr Bewegungen, der Niveau-Unterschied an dieser Unicon zu Japan zeigt eine extrem große Kluft (eine ~halbe Dekade Unterschied in Trainingsjahren).

Bereits während der Unicon vermeldete der Tribünenfunk der Deutschen, dass hier ein Umdenken stattfinden muss – die WM hat das Bewusstsein stark geschärft. Behaupten konnten sich diejenigen Deutschen, die vor Jahren bereits die mutige Entscheidung getroffen haben, andere Wege auszuprobieren. Seit geraumer Zeit praktizieren die Deutschen Waacking, Tutting und Locking erfolgreich auf dem Einrad – hier gibt es großes Potenzial. Towa Isozaki zeigte uns, dass Krumping auf dem Einrad möglich ist. Stimmen aus Japan erzählen, auch dort muss man sich weiterentwickeln, da „die herkömmliche Methode“ bestenfalls für die Teilnahme am Convention Contest ausreicht.

Dieser Weg wird in Deutschland leider (noch) nicht adäquat honoriert. Hierzulande fehlt die Umgebung für Fahrerinnen und Fahrer sich gegen die starke Überlegenheit aus Japan vorzubereiten. Fahrern berichten hierzu, sie streichen qualitativ hochwertige Tricks aus ihren Küren, da sie ohnehin nicht besser bewertet werden, als der gleiche Trick in mangelhafter Ausführung. Japaner berichten, sie lassen Tricks an der Unicon weg, weil „kann ja eh keiner sehen“. Die Wertungen für Performance zeigen zu hohe Schwankungen zwischen den deutschen Wettkämpfen auf. Die deutsche Jury bewertet (in Deutschland) also solche Dinge hoch, die wir nicht sehen wollen und umgekehrt – die Quittung erfolgt auf internationaler Bühne. Auf der einen Seite besorgniserregend, auf der andere Seite eine große Herausforderung für die Jury-Ausbildung und Trainerschulungen in Deutschland um Anschluss an die japanische Spitze zu knüpfen.

Die deutschen Sieger wurden Abseits der Fahrfläche gekürt. So legte die Unicon die neue Benchmark für die Berichterstattung fest. Konstantin Höhne, Belinda Bebst und Thorben Kessner die uns mit Livestream (an Felix: auf englisch heißt es auch Livestream) und Kürhighlights sowohl in der Halle als auch die Zuschauer daheim versorgten. Felix Schmaltz, der mit seiner charmanten Moderation die Stimmung in der Halle zu unser aller Freude ankurbelte und nach Hause trug. Auch ich versuchte durch Interviews unterhaltsame Behind-the-Scenes Gedanken für alle hervorzulocken.

Unser aller Dank geht an die Freestyle Direktoren Dani Fischer, Anna-Lena Blaschke und Tamara Bischoff und die zahllosen Helfer, die uns wunderbare Freestyle Wettkämpfe organisierten in der wir diese unglaubliche Leistung bewundern konnten.

Mir bleibt nur noch eines zu sagen:

🐼 Panda, Panda!